Der Begriff „Kinderkrankheit“ klingt harmlos. Man könnte meinen, es handle sich um Erkrankungen, die zur Kindheit quasi dazugehören – und von Kindern im Allgemeinen gut und ohne mögliche gefährliche Folgen verkraftet werden.
Für einige Kinderkrankheiten trifft dies auch zu, z.B. für die Windpocken. Sie sind zwar unangenehm und zwingen meist zu einer längeren Bettruhe. Komplikationen sind jedoch selten.
Krankheit nicht nur für Kinder
Doch nicht alle Kinderkrankheiten sind so harmlos. Vor allem die Masern werden immer wieder unterschätzt. Denn die Bezeichnung Kinderkrankheit sagt nichts darüber aus, wie gefahrlos oder risikoreich eine bestimmte Erkrankung ist. Vielmehr ordnen Mediziner diesem Begriff lediglich alle Infektionskrankheiten zu, die einerseits hochansteckend sind, andererseits jedoch eine lebenslange Immunität bewirken, so dass man nur einmal daran erkranken kann. Diese Erkrankungen treten überwiegend im Kindesalter auf. Aber auch Erwachsene können erkranken. All das ist auch bei den Masern der Fall.
Großflächiger Hautausschlag und zwei Fieberspitzen
Übertragen werden Masern ähnlich wie eine Grippe-Infektion. Dabei gilt: Das Virus bleibt bis zu zwei Stunden in der Luft ansteckend. Bricht die Erkrankung aus, verläuft sie in zwei Phasen. Zunächst, im so genannten Vorläuferstadium, kommt es zu allgemeinen Krankheitssymptomen wie Abgeschlagenheit, leichtem Fieber, Husten, Schnupfen und Kopfschmerzen. Nach zwei bis drei Tagen bilden sich weißliche Beläge auf der Wangenschleimhaut, die so genannten weißen Koplikschen Flecken. Dann rötet sich die gesamte Mund- und Rachenschleimhaut, das Fieber schnellt deutlich nach oben. Kurz darauf sinkt die Körpertemperatur jedoch wieder auf Normalwerte. Kurz darauf, in der zweiten Phase, kommt es zu einem erneuten steilen Fieberanstieg. Zusätzlich bildet sich ein dunkelroter, großfleckiger, unregelmäßiger Hautausschlag. Dieser Ausschlag „wandert“ typischerweise von den Ohren über Gesicht und Hals bis zu den Beinen.
Zwar verläuft eine Masern-Erkrankung hierzulande häufig komplikationslos. Immer wieder kommt es jedoch zu einer Bronchitis oder gar Lungenentzündung. Gerade in Ländern mit vergleichsweise schlechtem medizinischem Standard führt das oft zum Tod. In den Entwicklungsländern zählen die Masern daher zu den häufigsten Todesursachen bei kleinen Kindern. Außerdem können sich bei von Masern geschwächten Patienten gefährliche Bakterien vermehren, die insbesondere die Mundschleimhaut, die Augenhornhaut bzw. das Mittelohr befallen.
Gefährliche Gehirnhautentzündung
Die – zumindest hierzulande – am meisten gefürchtetste Masern-Komplikation ist eine Gehirnhautentzündung, die so genannte Masernenzephalitis. Zwar tritt sie statistisch gesehen nur bei etwa jeder tausendsten Maserninfektion auf. Die Folgen sind jedoch erheblich: Bewusstseinsstörungen, epileptische Anfälle oder gar Lähmungen. Bei 20 bis 40 Prozent der Patienten hinterlässt die Masernenzephalitis Hirnschäden, jeder fünfte bis zehnte Patient stirbt. Hierbei gilt: Bei Jugendlichen und Erwachsenen ist die Komplikationsrate wesentlich höher als bei Kleinkindern.
Neben dieser Gehirnhautentzündung gibt es eine weitere Komplikation, die durch die Masern verursacht wird: die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE). SSPE tritt zwar sehr selten auf – je nach Studie bei jeder zehntausendsten bis hunderttausendsten Masern-Erkrankung. Allerdings verläuft die SSPE immer tödlich. Es handelt sich um eine Entzündung des Gehirns, bei der die einzelnen Nervenzellen nach und nach unwiederbringlich geschädigt werden. Bislang ist nicht vollständig geklärt, wie die SSPE entsteht. Fest steht jedoch: Die SSPE tritt in den meisten Fällen bei Kindern oder Jugendlichen auf, die vor ihrem zweiten Lebensjahr die Masern durchgemacht hatten.
Aufgrund dieser möglichen schwerwiegenden Komplikationen ist die Masern-Schutzimpfung sinnvoll und ratsam. Die Impfung ist Bestandteil der Standard-Impfungen der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (STIKO). Sie wird in der Regel im Rahmen der Kindergesundheitsuntersuchung U6 vorgenommen. Für eine volle Immunisierung sind zwei Impfungen notwendig.
Schutz für ganz kleine Kinder
Da die Impfung jedoch erst ab dem 12. Lebensmonat möglich ist, sind noch nicht geimpfte Kinder nur geschützt, wenn sie sich aufgrund einer durchgeimpften Umgebung nicht anstecken können. Damit Babys und Kleinkinder nicht an den Masern erkranken können, ist es daher notwendig, dass die Personen, mit denen das Kind in Kontakt kommt, bereits gegen die Krankheit immun sind.
Für Eltern gilt daher: Prüfen Sie nicht nur, ob ältere Geschwister den erforderlichen Impfschutz haben. Prüfen Sie insbesondere auch, ob Sie selbst über eine entsprechende Immunisierung verfügen.

