: Fitness-Trend funktionales Training

Galten noch vor wenigen Jahren ausgefeilte Geräte im Fitness-Studio als das Nonplusultra, gibt es aktuell einen starken Trend weg von den Maschinen. Funktionales Training verspricht Fitness durch Übungen mit dem eigenen Körper.

Funktionales – oder häufig auch functional – Training zählt mittlerweile zu den Standardangeboten vieler Fitness-Studios. Sowohl neue Konzepte, als auch althergebrachte Trainingsmethoden werden explizit als funktional beworben. Dahinter steckt im Prinzip die Idee, die verschiedenen Geräte im Fitness-Studio durch Übungen mit dem eigenen Körper zu ersetzen. Viele Einheiten kommen daher gänzlich ohne Hilfsmittel aus. Bei anderen wiederum werden Bänder, Bälle oder Gewichte eingesetzt – nie jedoch Maschinen, die einen Bewegungsablauf exakt vorgeben.

Training näher am Alltag

Grundgedanke des funktionalen Trainings ist dabei die Annahme, dass bei den herkömmlichen Geräten die Muskulatur zu einseitig trainiert wird – und wir dadurch nicht wirklich fit für den Alltag werden. Schließlich beanspruchen wir bei praktisch allen Tätigkeiten und Bewegungen nicht nur einen Muskel, sondern gleich mehrere Muskelgruppen und Gelenke im Zusammenspiel – egal ob wir Getränkekisten schleppen, tanzen oder einen Sprint einlegen, um die Bahn noch zu erwischen.

Funktionales Training soll daher ebenso ungeführt und frei im Raum erfolgen, was mit den Maschinen im Fitness-Studio eben nicht möglich ist. Sie geben Richtung und Dauer der Bewegung exakt vor und reduzieren die Belastung häufig sogar auf eine einzige Muskelgruppe und ein einziges Gelenk. Beim funktionalen Training hingegen kommt es darauf an, dreidimensionale Bewegungen auszuführen, bei denen möglichst viele Muskelgruppen und Gelenke aktiviert werden. Ziel ist nicht nur die Steigerung der Kraft, sondern auch die Verbesserung des Zusammenspiels der einzelnen Muskeln, Sehnen und Gelenke. Denn nur wenn dies perfekt erfolgt, kann auch die vorhandene Kraft optimal eingesetzt werden.

Stärkung des Rumpfes

Ein besonderer Fokus liegt hierbei insbesondere auf dem Rumpf. Denn ein Großteil der Bewegungen des Alltags erfolgt aus dem Rumpf heraus – oder erfordert zumindest dessen Unterstützung. Doch gerade die Muskelgruppen im Bauch und im Rücken, die den Rumpf entscheidend stützen, werden im Alltag bei den meisten Menschen viel zu wenig gefördert. Schließlich verbringen wir die meiste Zeit im Sitzen.

Viele bereits bekannte Übungen sind daher vom Prinzip her durchaus auch funktional: Ein Liegestütz – wenn er korrekt ausgeführt wird – beansprucht eben nicht nur die Muskulatur in den Armen, sondern auch im Rücken und im Bauch. Ähnliches gilt für Kniebeugen. Auch hierbei müssen Muskelgruppen und Gelenke im Unterleib und in den Beinen koordiniert zusammenarbeiten.

Bewährte Übungen mit neuem Anspruch

Diverse Angebote zum funktionalen Training bauen daher auf bereits Bewährtem auf, bringen jedoch – je nach Schwierigkeitsgrad – zusätzliche Elemente mit ein. Ein Beispiel hierfür ist ein Seitstütz, bei dem die obere Hand zusätzlich eine Hantel stemmen muss. Dieses zusätzliche Gewicht erhöht nicht nur den erforderlichen Kraftaufwand für die Auf- und Abbewegung. Es erschwert insbesondere das Halten der Balance, wodurch gerade auch die Muskulatur im Rücken und Bauch bis hinunter zu den Beinen angesprochen wird. Solche Trainingseinheiten sind zweifellos effektiv, erfordern jedoch einiges an Übung, bevor sie gelingen. Häufig ist daher zu Beginn eine ausführliche Einweisung unabdingbar – und oft auch die handfeste Unterstützung des Kursleiters oder eines Trainingspartners.

Zusätzlich spielen beim funktionalen Training Wiederholung und Geschwindigkeit eine entscheidende Rolle. Einsteiger können daher schnell an ihre Grenzen geraten, so dass das funktionale Training auch ein gewisses Frustrationspotenzial besitzt. Denn weil gerade bei entsprechenden Kursangeboten der Fitness-Studios in einer Gruppe trainiert wird, besteht immer das Risiko, nicht mitzukommen.

Für alle, die bislang ihren Körper nicht trainiert haben, jetzt aber etwas für ihre Fitness tun wollen, sind diese Angebote daher nicht unbedingt die beste Wahl. Ein entscheidender Vorteil der klassischen Geräte besteht ja gerade darin, dass jeder in seinem eigenen Tempo trainieren und den erforderlichen Kraftaufwand ganz individuell einstellen kann.

Außerdem gilt: Es klingt zwar plausibel, dass das funktionale Training gegenüber den herkömmlichen Kraftmaschinen in punkto Zusammenspiel einzelner Muskelgruppen überlegen ist. Wissenschaftliche Beweise gibt es dafür jedoch bislang nicht.

Letzten Endes kommt es darauf an, überhaupt etwas für seinen Körper zu tun. Und jeder sollte sich dabei für die Variante entscheiden, die am meisten Spaß macht. Denn die Erfahrung lehrt: Zu einem Fitness-Training rafft man sich nur dann dauerhaft auf, wenn es nachhaltig Freude bereitet.