: Mentalstrategien: Von den Profis für den Alltag lernen

Erfolgreiche Sportler trainieren in der Regel nicht nur ihren Körper. Sie schulen auch ihren Geist. Denn nur wer mental fit ist, kann die körperliche Leistungsfähigkeit optimal abrufen. Daraus lässt sich auch Einiges für den Alltag lernen.

Egal ob Wettkämpfer, Marathonläufer oder Bergsteiger. Jeder ambitionierte Sportler kennt die Situationen, bei denen es schwer fällt, Motivation und Konzentration aufrecht zu erhalten. Wer unvorbereitet mit solch einer mentalen Durststrecke konfrontiert wird, erlebt oft auch ganz plötzlich und unerwartet einen körperlichen Leistungsabfall. Erfahrene Athleten setzen daher ganz gezielt auf ein Training des Geistes.

Andersherum gilt: Gerade beim Sport fällt es vielen Menschen vergleichsweise leicht, Mentalstrategien einzuüben und erfolgreich anzuwenden. Schließlich bietet der Sport einen vom Alltag losgelösten Rahmen. Man kann verschiedene Dinge ausprobieren – und merkt recht schnell, welchen Effekt das jeweilige Training. Dabei zeigt sich immer wieder: Einmal eingeübt, bringen einen Mentalstrategien nicht nur beim sportlichen Wettkampf weiter, sondern auch im Alltag. Das gilt insbesondere für die folgenden fünf Punkte:
  • Selbstmotivation klären
    Niemand läuft einen Marathon einfach so aus Jux und Tollerei. Und keiner nimmt bei einem Fußballspiel in der Verlängerung auch starke Krämpfe in Kauf, wenn es nichts Besonderes zu gewinnen gibt. Menschen, die eine herausragende sportliche Leistung erbringen, haben ein ganz klares Ziel vor Augen. Und sie müssen nicht lange überlegen, was es ist, das sie motiviert.
    Sich Klarheit über die eigene Motivation zu verschaffen, fällt im Sport daher meistens ganz leicht. Anders jedoch im Alltag: Hier wissen wir oft nicht so ganz genau, welche Ziele wir erreichen wollen – und warum wir bestimmte Dinge tun. Die Geisteshaltung, die beim Sport selbstverständlich ist, kann uns auch im Alltag weiterhelfen. Und je genauer wir wissen, was uns im Beruf und im Privatleben antreibt, desto gezielter können wir auch vorgehen, um Wünsche auch Wirklichkeit werden zu lassen.

  • Konzentration schulen – und fokussiert bleiben
    Herausragende Sportler berichten immer wieder, wie wichtig es ist, die Konzentration aufrecht zu erhalten. Doch was für den Torwart bei der Fußball-Weltmeisterschaft offensichtlich ist, gilt auch für den Radrennfahrer: Wer einmal zum falschen Zeitpunkt mit den Gedanken woanders ist, verpasst möglicherweise den entscheidenden Impuls für den Sprint – oder landet gar im Graben.
    Eine geschärfte Konzentration und die mentale Fokussierung auf das Wesentliche ist dabei kein Abfallprodukt des sportlichen Erfolgs, sondern eine Voraussetzung dafür. Genau mit dieser Einstellung können wir uns auch durch den Alltag bewegen – indem wir uns möglichst immer auf das konzentrieren, was wir gerade tun – und Ablenkungen aller Art reduzieren. Was dafür zu tun ist ist, bringt ein überlieferter Spruch eines Zen-Meisters aus Fernost auf den Punkt: „Wenn ich stehe, dann stehe ich, wenn ich gehe, dann gehe ich, wenn ich sitze, dann sitze ich, wenn ich esse, dann esse ich, wenn ich liebe, dann liebe ich.“ Das mag banal klingen – aber wie oft sind wir im Alltag mit unseren Gedanken bei mehreren Dingen gleichzeitig?

  • Konkrete und erreichbare (Teil-) Ziele setzen
    Im Sport, und vor allem während des Trainings, ist es selbstverständlich, Teilziele zu definieren. Wer etwa einen Marathon laufen will, der fängt mit kürzeren Etappen an – und steigert nach und nach das Pensum. Umso erstaunlicher ist es, dass wir im Alltag oft genug gleich alles auf einmal erreichen wollen. Gelingt uns das dann nicht, sind wir frustriert. Oder wir gehen der Herausforderung erst einmal aus dem Weg, weil das Ziel zu schwer erreichbar erscheint.
    Doch auch alltägliche Aufgaben und Herausforderungen lassen sich in Teiletappen und Zwischenschritte aufteilen. Sie erscheinen dann oft weitaus weniger komplex – und lassen sich leichter bewältigen.

  • Selbstbewusstsein stärken
    Wer eine konkrete Aufgabe bewältigen will, der bzw. die muss sich bewusst sein, was er bzw. sie zu leisten im Stande ist. Das geht jedoch nur, wenn man diesen „Ernstfall“ regelmäßig trainiert hat. Gerade beim Sport dienen viele Trainingseinheiten daher nicht nur dem Muskel- und Konditionsaufbau, sondern stärken auch das Vermögen, eine bestimmte Situation richtig einschätzen und angemessen reagieren zu können.
    Was für den Sport gilt, gilt erst recht im Alltag: Übung macht den Meister – und kräftigt so das Selbstbewusstsein. Wer weiß, was er kann und wo die individuellen Grenzen sind, ist sich seiner selbst bewusst – im wahrsten Sinne des Wortes.
  • Regenerationspausen nutzen 
    Im Spitzensport ist es eine Selbstverständlichkeit, dass man dem Körper nach einem anstrengenden Wettbewerb eine ausreichende Pause zur Regeneration gibt. Und es zweifelt niemand an, dass Muskeln und Kreislauf nicht andauernd volle Leistung bringen können. Bei der mentalen Leistungsfähigkeit ist es jedoch alles andere als selbstverständlich, sich nicht nur Regenerationen zu gönnen, sondern auch bewusst zu planen. Gerade in Teilen der Arbeitswelt gilt es nach wie vor als Tugend, möglichst lange im Büro zu bleiben – und sogar am Wochenende und im Urlaub erreichbar zu sein. Dass dabei die Work-Life-Balance auf der Strecke bleibt und Burn-outs zu einer Volkskrankheit geworden sind, ist jedoch wenig verwunderlich. Gerade in diesem Punkt können wir von den Profis lernen. Denn nicht nur der Körper braucht Pausen, auch der Geist! Und es Sinn macht, diese Pausen genauso bewusst zu planen wie die, die wir unserer Muskulatur gönnen.