: Pilates: Kräftigung von Körper und Geist

Wirbelsäule, Becken und Taille brauchen Muskeln, die sie stützen. Und ein gezieltes Training dieser Muskulatur kann Haltungsschäden, Rückenbeschwerden und chronischen Schmerzen vorbeugen. Genau das ist beim Pilates der Fall.

Hinter Pilates verbirgt sich ein sanftes, aber sehr wirkungsvolles systematisches Körpertraining. Erfunden und entwickelt hat die dazugehörigen Übungen der deutsch-amerikanische Arzt Joseph H. Pilates schon im vergangenen Jahrhundert.

Fokus auf die Tiefenmuskulatur

Bei der Pilates-Methode aktiviert, entspannt oder dehnt man ganz gezielt einzelne Muskeln oder Muskelpartien. Der Fokus liegt dabei auf der Körpermitte, also die Tiefenmuskulatur im Becken und in der Taille. Von zentraler Bedeutung ist beim Pilates dabei das so genannte Powerhouse. Gemeint sind damit vier Muskelgruppen im Inneren des Rumpfes:

  • Korsettmuskel
    Hierbei handelt es sich um die Muskelgruppe, die die Taille umfasst, hält und formt. Dazu zählen der gerade Bauchmuskel, der innere diagonale Bauchmuskel sowie der äußere diagonale Bauchmuskel. Nur mit einer trainierten Korsettmuskulatur bleibt die Taille beweglich und hat die Wirbelsäule ausreichend Halt.
  • Beckenboden
    Der Beckenboden stützt die gesamten inneren Organe. Außerdem entspannt er sich beim Wasserlassen und beim Stuhlgang. Ein gut trainierter Beckenboden schützt vor Inkontinenz – kräftigt aber auch das Zusammenspiel von Becken, Wirbelsäule und Oberschenkeln. Mit einem Beckenbodentraining lassen sich daher auch Haltungsprobleme im Rücken, am Knie und im Fuß bekämpfen.Auch die sexuelle Bedeutung des Beckenbodens sollte man nicht unterschätzen. Denn beim Orgasmus kommt es zum Pulsieren dieser Muskelgruppe, also zu einem Wechsel von An- und Entspannung. Je kräftiger der Beckenboden, desto intensiver kann das erfolgen.
  • vielspaltiger Muskel an der Wirbelsäule
    Diese Muskelgruppe befindet sich – wie es der Name schon sagt – direkt an der Wirbelsäule und hat ebenfalls eine zentrale Funktion beim Einnehmen einer aufrechten Haltung.
  • Zwerchfell
    Auch das Zwerchfell ist ein Teil der „inneren“ Muskulatur. Es ist für die Atmung zuständig – und damit für die ausreichende Versorgung des Organismus mit Sauerstoff. Zum Pilates zählen daher auch Atemübungen.

All diese Muskeln werden durch unsere modernen Lebensgewohnheiten vernachlässigt. Schließlich verbringen wir große Teile des Tages im Sitzen. So werden Bauch, Taille und Beckenboden schlaff. Und auch die Atmung aktivieren wir nur selten so, dass das Zwerchfell voll gefordert wird.

Stützung des gesamten Rückgrats

Dabei übernimmt gerade die Tiefenmuskulatur wichtige Aufgaben bei der Stützung des gesamten Rückgrats. Sind diese Muskeln schwach, ist es auch unsere Haltung. Es kommt zu Verspannungen im Rücken und in der Schulter. Außerdem sind Fehlbelastungen der Gelenke bis hin zu den Bandscheiben möglich. Abhilfe bieten hier nun die Pilates-Übungen, die genau diese Muskelgruppen ansprechen.

Training auch zu Hause

Anschließend erfolgt ein Wechsel zu bestimmten Kleingeräten, mit deren Hilfe man die einzelnen Übungen leichter ausführen kann. Dazu zählen Bälle, Bänder, Balancerollen und Koordinationswippen. Insgesamt stehen etwa 500 verschiedene Übungen zur Verfügung. Die meisten davon werden jedoch als Bodenübungen auf einer weichen Matte ausgeführt, also zum Beispiel einem Teppich oder einer Gymnastikmatte. Nach einer Einführung lässt sich Pilates daher auch bequem in den eigenen vier Wänden praktizieren.Für Fortgeschrittene gibt es zudem Großgeräte. Übungen damit sind jedoch nur empfehlenswert, wenn bereits eine hohe Haltungsstabilität vorhanden ist, - und nur unter Anleitung eines erfahrenen Trainers. Joseph Pilates hat diese Geräte für die Leistungssteigerung von Spitzensportlern oder auch Reha-Behandlungen konzipiert.

Training für den Geist

Da die Pilates-Übungen zu einer verbesserten Körperhaltung führen und eine hohe Konzentration erfordern, stärken sie letztlich auch das Selbstbewusstsein und die psychsiche Stabilität. Schließlich geht es darum, ganz bewusst bestimmte Muskeln gezielt anzusteuern. Und letztlich gilt: Wer aufrecht durch die Welt geht, der kommt auch besser mit den Anforderungen des Alltags zurecht.