: Die sieben größten Sportmythen

Die Fettverbrennung beginnt erst nach 30 Minuten – diese und weitere Legenden halten sich in den Köpfen vieler Sportler und Trainer. Doch wer weiß, was wahr und was falsch ist, kann effektiver trainieren – und hat so oft mehr Freude am Sport.

Sport ist für die meisten von uns nicht nur Ausdruck purer Lebensfreude. Viele verfolgen damit auch ein Ziel. Oft ist dieses Ziel ganz allgemein formuliert – bessere Fitness und Leistungsfähigkeit zum Beispiel. Oder es geht darum, etwas ganz Konkretes zu erreichen, etwa eine Gewichtsreduktion oder die Teilnahme an einem bestimmten Wettbewerb.

Der Leistungsgedanke ist uns also beim Sport durchaus geläufig – und hat ja zweifellos auch seinen Sinn. Doch wenn es darum geht, die eigene Leistungsfähigkeit zu optimieren, wird nach wie vor sehr viel Unsinn verbreitet. Hartnäckig halten sich Mythen, die nicht nur überflüssig sind, sondern auch ein effektives Training behindern oder der Fitness sogar schaden können:

Die Fettverbrennung beginnt erst nach 30 Minuten

Der Fettstoffwechsel des menschlichen Organismus ist eine komplexe Angelegenheit – aber fest steht: Er spielt sich kontinuierlich ab, und nicht erst nach einer halben Stunde Anstrengung. Tatsächlich setzt die Fettverbrennung bei jeder Bewegung unmittelbar ein. Wie stark dieser Effekt ist, hängt erheblich vom Fitnesszustand ab. Je trainierter wir sind, desto leichter kann der Organismus unser Körperfett mobilisieren – und in Energie umwandeln. Doch Vorsicht: Bei besonders großer und langer Anstrengung ist der Körper auf Energie aus Kohlenhydraten angewiesen. Überabstrengung bringt daher gar nichts. Wer seine Fettpölsterchen im Griff behalten will, sollte vielmehr auf Regelmäßigkeit achten.

Ohne Schweiß kein Preis – und damit keine Gewichtsreduktion

Von der Stirn heiß, rinnen muss der Schweiß... Das haben wir alle schon gehört – und es gibt sicher Sportsituationen, bei denen wir schnell ins Schwitzen kommen. Aber auch hierbei gilt: Überanstrengung bringt nichts. Und wie hoch die Schweißproduktion des Körpers ist, hängt erheblich vom Kühlungsbedarf des Körpers ab. In der Mittagshitze im Hochsommer reicht schon ein leichtes Lauftraining, um die Kleidung nasszuschwitzen, wohingegen die identische Anstrengung im Winter möglicherweise gerade so viel Wärme produziert, dass wir nicht frieren müssen. Fazit: Die Schweißproduktion hat nur sehr geringe Aussagekraft über die Intensität eines Trainings.

Wer viel schwitzt, der muss viel trinken

Das klingt zunächst logisch. Denn zweifellos muss der Körper den Flüssigkeitsverlust ausgleichen. Das erfordert jedoch Zeit. Der Organismus kann nur etwa 800 Milliliter pro Stunde verarbeiten. Der Rest wird einfach wieder direkt ausgeschieden – und dabei werden auch Mineralien ausgeschwemmt, die dann dem Körper eventuell fehlen. Es droht ein Leistungsabfall. Wichtig ist es daher, vor dem Sport den Durst kontinuierlich gelöscht zu haben – und auch während des Sports regelmäßig, aber in kleinen Schlucken, zu trinken. Wer vor oder während des Sports in kurzer Zeit große Mengen Flüssigkeit in seinen Körper hineinschüttet, der schadet ihm mehr als er ihm hilft.

Dehnen reduziert das Verletzungsrisiko

Ein Klassiker unter den Mythen – schließlich machen auch die Sportprofis vor dem Wettkampf ausgiebige Dehnübungen. Sinn und Zweck dabei ist jedoch nicht die Reduzierung des Verletzungsrisikos, sondern die Erhöhung der Beweglichkeit. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zerrung o.ä. kann man durch Dehnungen nicht reduzieren. Vor dem Joggen sind Dehnübungen daher nutzlos – dafür machen sie danach Sinn: Denn das Dehnen hilft, die Muskulatur zu lockern.

Auf Asphalt laufen schadet den Gelenken

Harter Asphalt ist schlecht für die Gelenke. Auch das klingt zunächst logisch. Allerdings hat diese Logik mehrere Haken: Denn einerseits sind die meisten Wald- und Feldwege bei uns geschottert – und damit auch nicht weicher als Asphalt. Andererseits bildet sich durch regelmäßiges Lauftraining in den Gelenken ein dämpfender Knorpelschutz. Hinzu kommt: Der Laufstil und die Qualität der Schuhe hat einen viel größeren Einfluss. Wer regelrecht trampelt bzw. mit abgewetzten Sohlen unterwegs ist, riskiert durchaus Schäden an Gelenken. Investieren Sie also in gute Schuhe – und achten Sie auf ein sanftes und gleichmäßiges Abrollen beim Joggen. Dann können Sie bedenkenlos laufen, wo Sie möchten.

Magnesium hilft gegen Krämpfe

Zu Muskelkrämpfen kommt es infolge eines lokalen Elektrolytmangels. Das kann bei kräftiger Anstrengung schnell passieren. Ein gezielter Ausgleich mit Magnesium-Pulver oder -Tabletten wäre jedoch nur möglich, wenn man dem Körper etwa ein halbes Gramm des Mineralstoffs zuführt. Das ist jedoch praktisch unmöglich. Denn bei dieser Menge würde der Darm rebellieren – mit Durchfall! Gegen Krämpfe helfen – wenn überhaupt – Dehnübungen zur Lockerung des Gewebes. Das beste Mittel gegen Krämpfe ist jedoch: Sport für heute beenden. Wer an Krämpfen leidet, hat sich definitiv verausgabt.

Nur wer den Fettverbrennungspuls einhält, nimmt ab

Auch dieser Mythos hält sich hartnäckig. Allerdings gibt es so etwas wie einen Fettverbrennungspuls überhaupt gar nicht. Korrekt ist vielmehr: Bei gemäßigtem Puls bezieht der Körper einen größeren Anteil der benötigten Energie aus Fetten – und einen geringeren Anteil aus Kohlenhydraten. Steigt der Puls, dreht sich dieses Verhältnis. Dann werden relativ betrachtet mehr Kohlenhydrate verbrannt als Fette. In absoluten Zahlen gemessen sinkt die Fettverbrennung jedoch nicht – im Gegenteil: Sie nimmt bei steigendem Puls weiterhin zu, allerdings erhöht sich der Anteil der Kohlenhydrate erheblich schneller.

Unabhängig davon macht es aber Sinn, in einem Pulsbereich zu trainieren, bei dem man sich nicht zu schnell verausgabt. Denn dann ist das Training meist schneller beendet als geplant – und die erwünschte Fettverbrennung wird abrupt unterbrochen. Außerdem führt eine Überforderung schnell dazu, dass die Motivation sinkt – und man die Freude am Sport verliert.