: Exotische Massagen: Lomi, Thai & Co.

Massage ist nicht gleich Massage. Neben der klassischen, von der wissenschaftlichen Medizin anerkannten Variante, gibt es exotische Techniken, die oft auf einem eigenen Weltbild fußen. Erfahren Sie, was hinter Lomi, Thai & Co. steckt.

Dass Massagen eine wohltuende Wirkung haben, ist eine Binsenweisheit. Doch wie die unterschiedlichen Massagetechniken ihre Wirkung entfalten, ist längst nicht so offensichtlich.

Klassische Massage: Verspannungen lösen, Verhärtungen abbauen

So liegt der Schwerpunkt bei der „klassischen“, häufig auch „schwedisch“ genannten Massage auf der direkten Einflussnahme auf den Bewegungsapparat. Beim Kneten und Walken geht es darum, Verspannungen der Muskulatur zu lösen. Kleine, kreisende Bewegungen auf einzelnen Muskeln helfen effektiv bei Verhärtungen. Und das so genannte Muskelzittern, das der Therapeut erzeugt, kann bis in tiefer liegende Gewebe und Organe vordringen und dort eine lockernde, krampflösende Wirkung haben. Die Wirkungsweise dieser Art von Massage gilt seitens der westlichen Medizin als unstrittig.

Thai-Massage: von ayurvedischen Energielinien

Längst nicht so konkret greifbar geht es bei der Thai-Massage zu. Dort werden nach traditioneller Überlieferung zehn von insgesamt 7200 ayurvedischen Energielinien behandelt. Während der Massage werden diese Linien an bestimmten Punkten stimuliert, insbesondere, indem der Masseur kräftig darauf drückt. Mit den Fingern, mit dem Ellenbogen, aber auch mit dem Knie.

Das Problem aus Sicht der westlichen Medizin: Für diese Punkte und Energielinien gibt es keinerlei wissenschaftlichen Beweis. Viele Ärzte zweifeln das Konzept der ayurvedischen Linien grundsätzlich an.

Das heißt jedoch nicht, dass aus medizinischer Sicht die gesamte Thai-Massage Hokuspokus ist. Denn der Masseur drückt nicht nur bestimmte Punkte. Zur Thai-Massage gehört es auch, die Gelenke rotieren zu lassen. Das regt den Körper dazu an, Gelenkschmiere zu produzieren, was wiederum die Geschmeidigkeit fördert. Ähnliches geschieht bei Beugungen und Streckungen der Wirbelsäule. Hinzu kommen Dehnungen der Muskulatur, die zweifelsohne dazu beitragen, Verspannungen des Bewegungsapparates abzubauen. Nicht zuletzt die Druckpunktmassagen regen an Ort und Stelle die Blutzirkulation an.

Shiatsu und Akupressur: das chinesische Bild vom Menschen

Ebenfalls auf einer für uns exotischen Vorstellung vom menschlichen Körper beruhen die Massage-Techniken Akupressur und Shiatsu. Bei der Akupressur geht es, wie bei der Akupunktur, darum, bestimmte Meridiane zu stimulieren. Diese Meridiane sollen laut der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) unseren Körper durchziehen – ähnlich der ayurvedischen Energielinien. Kommt es entlang dieser Linien zu einer Störung im Fluss der  so genannten Lebensenergie Qi, drohen nach Vorstellungen der TCM Krankheiten. Durch Stimulierung der Meridiane an bestimmten Punkten kann man jedoch Störungen beseitigen und den Fluss der Lebensenergie Qi anregen. Bei der Akupressur geschieht dies durch Druck mit den Fingern.

Das aus Japan stammende Shiatsu ist insofern eine Weiterentwicklung, als dass nicht nur einzelne, aus der Akupressur bekannte Punkte „gedrückt“ werden, sondern auch Dehnungen und Gelenkrotationen eingesetzt werden. Und eine moderne, insbesondere im Wellness-Bereich eingesetzte Shiatsu-Variante wiederum ist das Watsu. Die Behandlung findet dabei in etwa 35 Grad warmem Wasser statt, was eine besondere Entspannungswirkung haben soll.

Wie bei der Thai-Massage auch, bestehen jedoch grundsätzliche Zweifel am Konzept, das hinter diesen Massagetechniken steht. Denn weder für die Meridiane, noch für die Lebensenergie Qi gibt es bislang einen wissenschaftlichen Beweis. Zweifelsohne haben diese Massagen jedoch – allein schon durch die angenehme Berührung – einen wohltuenden Effekt.

Lomi Lomi: hawaiianisches Ritual zur Seelenreinigung

Im traditionellen Hawaii war die Lomi Lomi genannte Massage Bestandteil der Naturheilkunde. Sie war ein Element bei Behandlungen von Krankheiten, spielte jedoch auch bei Initiationsriten eine bedeutende Rolle. Lomi Lomi diente damit auch der Seelenreinigung. Dies endete jedoch abrupt, als amerikanische Missionare Hawaii im 19. Jahrhundert erreichten. Sie verboten die dortige Naturreligion. Einzig als reine Entspannungsmassage blieb Lomi Lomi erlaubt. Und genau als solche kommt sie heutzutage in Europa vor allem bei Wellness-Behandlungen zum Einsatz.

Im Unterschied zu den oben genannten Techniken sind die Bewegungen beim Lomi Lomi sehr fließend und immer leicht schaukelnd. Beliebt ist nicht zuletzt die vierhändige Variante, die von zwei Personen gleichzeitig ausgeführt wird.

In der Regel bleibt die Lomi-Massage sehr sanft und beruhigend und wird im Rhythmus hawaiianischer Musik ausgeführt. Bei Bedarf kann der Masseur jedoch den Druck erhöhen, um tiefer liegende Verspannungen zu lösen.