: Hopfen – beruhigendes Heilkraut

Hopfen ist den meisten wohl als wichtige Zutat fürs Bierbrauen geläufig. Doch die Pflanze spielt auch in der Kräuterheilkunde eine Rolle – und ist ganz ohne Alkohol ein hervorragendes Beruhigungsmittel.

Ende August ist der Hopfen erntereif. In den Anbaugebieten – allen voran der bayerischen Hallertau, im Schwäbischen rund um Tettnang und rund um Spalt bei Nürnberg – rankt die Kletterpflanze nun bis zu zehn Meter in die Höhe. In diesen Regionen wird er großflächig angebaut, denn schließlich ist die Pflanze eine essenzielle Zutat fürs Bierbrauen – aus zwei Gründen: Zum einen verleihen Aromastoffe und ätherische Öle dem Gerstensaft Geschmack. Zum anderen stecken im Hopfen wertvolle Bitterstoffe, die eine antibakterielle Wirkung haben.

Antiseptische Kraft

Erst der Hopfen macht das Bier haltbar. Und schon Hildegard von Bingen wusste: Seine Bitterkeit verhindert die Fäulnis. Das Gewächs hat eine klare antiseptische Kraft. Er wirkt antibakteriell und entzündungshemmend.

Für die Kräuterheilkunde ist der Hopfen jedoch vor allem wegen seiner beruhigenden Wirkung von Bedeutung. Denn bestimmte Substanzen aus der Pflanze docken an den Stellen im Körper an, die den Schlaf-Wach-Rhythmus steuern. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Hopfen eine ähnliche Wirkung hat wie das vom Körper selbst produzierte Schlafhormon Melatonin.

Natürliches Schlafmittel

Es macht daher Sinn, Hopfen bei Einschlafproblemen und Schlafstörungen als natürliches und schonendes Beruhigungsmittel einzusetzen. Auch bei Nervosität und nervlicher Anspannung ist Hopfen eine erprobte Arznei. Dabei haben die aus der Pflanze gewonnenen Anwendungen einen großen Vorteil: Sie werden von den meisten Menschen problemlos vertragen. Und die Wirkung ist am nächsten Morgen verflogen – anders als bei vielen synthetisch hergestellten Beruhigungsmitteln.

Arzneilich wirksam sind insbesondere die so genannten Hopfenzapfen und Hopfendrüsen. Bei ersteren handelt es sich um die Blüte der weiblichen Pflanze, bei letzteren um die von den Dolden abgesiebten Drüsenhaare. Diese bereitet man traditionellerweise als Tee zu. Zwar wird auch dem Bier eine beruhigende Wirkung zugeschrieben. Allerdings lässt sich die pharmazeutische Wirkung ohne den Gärungsprozess besser nutzen – und nur so die Dosierung optimieren.

Da Hopfen vielerorts wild im Wald wächst oder als Zierpflanze in Gärten beliebt ist, kann man theoretisch auch aus selbst gesammelten Dolden einen Beruhigungstee kochen. Doch nur die weiblichen Pflanzen haben die entsprechende Wirkung – und davon wiederum nur die genannten Teile. Für eine effektive Wirkung ist es in der Regel daher sinnvoller, auf entsprechende Tees bzw. Zubereitungen aus der Apotheke zurückzugreifen. Oftmals enthalten diese dann auch zusätzlich Baldrian. Denn beide Pflanzen ergänzen sich in ihrer Entspannungswirkung optimal. Sie haben unterschiedliche Anknüpfungspunkte in unserem Organismus.

Kostbare Delikatesse für Gourmets...

Dennoch macht es Sinn, wilden oder Gartenhopfen für eigene Zwecke zu ernten – als köstliche Variante für den Speiseplan: Die jungen Triebe der Pflanze gelten als Spezialität – und kommen in den Hopfenanbaugebieten regelmäßig auf den Tisch. Man fährt mit den Fingern an den jungen Trieben entlang – und biegt diese leicht. An einer bestimmten Stelle brechen die Stängel – und so erhält man etwa 10 bis 25 Zentimeter lange Sprossen, die kurz gegart eine Delikatesse mit feinem harzigem Geschmack ergeben. Diese Ernte ist recht einfach, wenn auch nicht allzu ergiebig. Deswegen kann man Hopfensprossen kaum auf dem Markt kaufen.

Hopfen kann zudem ein sehr ausgeprägtes Fruchtaroma entwickeln. Insbesondere fürs Bierbrauen sind daher nicht nur die antiseptisch wirkenden Bitterstoffe von Bedeutung, sondern auch die aromatischen Bestandteile. Bestimmte Hopfensorten entwickeln einen Geschmack, der sehr stark an Zitrusfrüchte oder Melonen erinnert. Dazu zählen Neuzüchtungen wie der „Mandarina Bavaria“ oder „Hülle Melon“, aber auch der amerikanische Klassiker „Citra“. Diese Aromahopfen sind allerdings nicht so ertragreich wie die gängigen Bitterhopfen – und spielen daher bei den meisten, im industriellen Maßstab hergestellten Bieren eine untergeordnete Rolle.

... und aromatischer Genuss für Freunde besonderer Biere

Seit kurzem gibt es jedoch eine wachsende Szene von Haus- und Kleinbrauereien, die diese geschmacksintensiven Hopfensorten bevorzugt verwenden – und sehr aromaintensive Biere erzeugen. Für alle, die Hopfen nicht nur als Tee, sondern gelegentlich auch im Gerstensaft genießen wollen, lohnt es sich, die Vielfalt dieser außergewöhnlichen Pflanze auch auf diese Art und Weise kennenzulernen.