Erste Hilfe bei Kindern - das müssen Eltern wissen

Kinder verletzen sich häufiger mal. Für Erwachsene gilt dann die Regel Nummer 1: Ruhe bewahren und nicht in Panik verfallen. Holen Sie tief Luft und atmen Sie genauso tief wieder aus. Sie werden merken, dass Ihre Gedanken klarer werden. Dann können Sie sich konzentriert der Situation annehmen. Da Eltern oftmals die ersten am Unfallort sind, sollten insbesondere sie einige Erste-Hilfe-Maßnahmen kennen, um ihrem Kind helfen zu können.

Ist das Kind erstmal beruhigt und getröstet, müssen Sie entscheiden, ob die Verletzung so schlimm ist, dass der Kinderarzt aufgesucht werden muss. Viele Wunden lassen sich aber auch Zuhause versorgen. 

Erste Hilfe bei einer Vergiftung

Ab und zu kommt es vor, dass Kinder Wasch- Spül- oder Putzmittel in die Finger bekommen und davon trinken. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass Kinder oft nur sehr geringe Mengen davon zu sich nehmen – und so die Gefahr einer Vergiftung nicht besonders groß ist. Es ist allerdings zu beachten, dass aufgrund der Kontraktionen im Magen Schaum entstehen kann, wenn sich das Kind erbricht. Schaum darf auf keinen Fall in die Lunge gelangen – deswegen ist es nicht ratsam, das Kind dazu zu bringen, sich zu übergeben. Auch ätzende Stoffe sollten nicht erbrochen werden, da sie die Speiseröhre und den Mundraum noch mehr schädigen – der Magen hingegen ist gegen Säure und Laugen dank einer dicken Schleimschicht gut geschützt. Sinnvoller ist es, Wasser trinken zu lassen, um die verschluckten Mittel zu verdünnen. Bitte geben Sie Ihrem Kind keine Milch zu trinken – diese gerinnt im Magen und das ausflockende Eiweiß setzt sich in die Falten von Magen und Darm. In einigen Fällen kann Milch sogar die Aufnahme giftiger Stoffe beschleunigen.

Beeren sehen lecker aus und hängen oft in Reichweite von Kindern – zum Glück sind die meisten von ihnen unbedenklich. Der Großteil der giftigen Pflanzen, Pflanzenteile und Früchte schmeckt ohnehin nicht sehr gut und sie werden rasch wieder ausgespuckt. Daher sind die eingenommenen Mengen meist gering. Die üblichen Vergiftungserscheinungen sind Übelkeit oder leichtes Erbrechen. Wir können Sie beruhigen: In Deutschland endet nur etwa jede 70. Pflanzenvergiftung mit deutlichen oder schweren Vergiftungserscheinungen. Glücklicherweise ist es sehr selten, dass die Einnahme von giftigen Pflanzen oder Pflanzenteilen zum Tod führt. Wenn Sie sich unsicher sind, was oder wieviel ihr Kind gegessen hat und es Vergiftungserscheinungen zeigt, bringen Sie es jedoch vorsichtshalber zum Kinderarzt.

Verschlucken von Gegenständen: Was ist zu tun?

Atemnot durch Verschlucken eines Fremdkörpers ist ein Notfall, der sehr unerwartet und auch oft heftig auftritt. Besonders kleine Kinder nehmen gerne alles, was sie in die Finger kriegen, in den Mund – dass sie dabei etwas Verschlucken, lässt sich kaum vermeiden. Oft handelt es sich um kleinere Dinge (z.B. Centstücke), die in der Regel über den Magen-Darm-Trakt auch wieder aus dem Körper ausgeschieden werden. Es kann aber auch passieren, dass Gegenstände eingeatmet (aspiriert) werden und in die Bronchien oder tief in die Lunge gelangen. Die Schweregrade dieses Notfalls reichen von einem Husten bis zum Erstickungsanfall. Manchmal treten die Beschwerden auch erst viel später auf. Dann ist schnelle Hilfe gefragt.

Ganz wichtig: Wenn ein Kind einen Erstickungsanfall erleidet, weil es etwas verschluckt hat, dürfen Sie es nicht beatmen, solange sich der Fremdkörper noch in den Atemwegen befindet. Ein Säugling sollte in Bauch- und Kopftieflage (z.B. auf dem Bein eines Erwachsenen) gebracht werden und mit dem Handballen bis zu 5 gezielte Schläge zwischen die Schulterblätter erhalten, um den Fremdkörper zu lösen. Schauen Sie danach in den Mund des Kindes, ob sich der Fremdkörper gelöst hat. Sollte dies nicht der Fall sein, muss das Kind von hinten umgriffen werden und der Brustkorb am unteren Brustbein zusammengepresst (Thoraxkompression) werden. Wiederholen Sie das maximal 5 Mal. Haben Sie auch damit keinen Erfolg, rufen Sie den Notarzt aber wiederholen Sie diese Maßnahmen, bis der Arzt eintrifft.

Ein Kind, das schon 1 Jahr alt oder älter ist, sollten Sie mit dem Bauch auf den Schoß legen, so dass der Kopf und die Arme herunterhängen, und mit der flachen Hand mehrfach kräftig zwischen die Schulterblätter klopfen, damit der Gegenstand wieder ausgespuckt wird. Auch hier können Thoraxkompressionen helfen.

Generell gilt: Können Sie den Gegenstand trotz Sofortmaßnahmen nicht lösen, muss sofort der Rettungsdienst gerufen werden. Hat das Kind hingegen keine akute Atemnot, können Sie es in die Klinik bringen. Das Kind sollte die Zeit über möglichst aufrecht sitzen. 

Erste Maßnahmen bei Wunden und Verletzungen

Verletzungen, die eine Schwellung hervorrufen, müssen gekühlt werden. Im Idealfall haben Sie eine Gel-Kühlkompresse im Gefrierfach, aber auch ein feuchtes Handtuch oder eine in ein Tuch eingewickelte Packung gefrorener Erbsen o.ä. wirkt sich günstig auf die Schwellung aus. Das gilt auch für Verbrennungen und schmerzhafte Insektenstiche. Mit Eisspray hingegen sollten sie sparsam umgehen, denn zu viel davon kann die Haut schädigen.

Nicht selten kommt es vor, dass Kinder mit Schürfwunden nach Hause kommen. In einem solchen Fall sollten Sie die Schürfwunden zunächst säubern, Schmutzpartikel oder Steinchen vorsichtig entfernen, die Blutung mit einer sauberen Kompresse stoppen und im Anschluss ein Pflaster aufkleben. Bei starken Blutungen sollte die Wunde mit einem Verband abgedeckt werden. Ist zum Beispiel das Bein betroffen, sollte es hochgehalten werden, um zu verhindern, dass zu viel Blut aus dem verletzten Gewebe austritt. Um die Blutung zu stoppen, üben Sie Druck auf die Wunde aus und legen Sie einen Druckverband an. Bei einem Knochenbruch ist es wichtig, dass die betreffenden Gliedmaßen ruhiggestellt sind und das Kind zu einem Arzt oder in die Klinik gebracht wird.

Wenn Kinder auf den Kopf stürzen, müssen Sie besonders aufmerksam sein und beobachten, wie sich Ihr Kind verhält. Auswirkungen eines Sturzes können sich auch erst einen Tag später zeigen. Alarmzeichen sind Erbrechen, plötzliche Müdigkeit sowie Kopfschmerzen oder auch pausenloses Schreien bei Babys. In so einem Fall müssen Sie unbedingt einen Arzt rufen.

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