: Kleinkinder richtig anheben

Bei kleinen Kindern sind Muskeln, Knochen und Gelenke noch nicht so ausgereift. Eine ungeschickte Bewegung durch die Eltern kann daher für das Kind schmerzhaft sein – oder zu Verletzungen führen. Das lässt sich jedoch leicht vermeiden.

Dass man Neugeborene quasi mit Samthandschuhen anfassen sollte, versteht sich eigentlich von selbst. Gerade beim Anheben ist Vorsicht geboten. Denn der gesamte Halteapparat und auch die Muskulatur sind anfangs noch auf die Situation im Mutterleib ausgerichtet. Ruckartige Bewegungen können sie nicht kompensieren.

Schmerzhaftes „Engelchen flieg!“

Aber nicht nur in den ersten Wochen nach der Entbindung sollte man bestimmte Belastungen vermeiden. Manche Gelenke benötigen mehrere Jahre, um ausgereift zu sein. Dies gilt insbesondere für das Ellenbogen-Gelenk. Wird es falsch und ruckartig belastet, kann es zu Verletzungen kommen. Das ist der Grund, warum das beliebte „Engelchen flieg!“-Spiel immer mal wieder schmerzhaft für die Kinder endet.

Abhängig vom Lebensabschnitt sollten Eltern beim Anheben der Kinder besonders auf Kopf und Nacken bzw. Ellenbogen und Unterarme achten:

Säuglinge: Unterstützung für den Kopf

Säuglinge können in den Wochen nach der Geburt nicht einmal ihren Kopf selbst aufrecht halten. Schließlich hatten sie im Mutterleib kaum Gelegenheit, die entsprechenden Muskeln, Bänder und Sehnen zu trainieren. Und während die Beine eventuell schon eifrig gestrampelt haben, war der Nacken bis zur Entbindung praktisch überhaupt nicht gefordert. Die Halsmuskulatur ist in jedem Fall noch zu schwach.

Aus diesem Grund ist es unabdingbar, beim Anheben der Babys den Kopf mit abzustützen. Unterlässt man diese Hilfestellung, kann das Köpfchen ruckartig nach unten sacken. Das ist nicht nur schmerzhaft, sondern birgt auch ein Verletzungsrisiko.

Diese Unterstützung für den Kopf ist während der ersten vier Wochen beim Anheben immer notwendig. Gegen Ende des ersten Monats hat sich in der Regel die Halsmuskulatur schon so weit entwickelt, dass die meisten Kinder bereits kurzzeitig den Kopf selbst anheben können – wenn sie auf dem Bauch liegen. Und ab der sechsten bis achten Woche ist dies oftmals auch schon aus der Rückenlage heraus möglich. Ist das der Fall, können Sie Ihrem Kind etwas mehr Spielraum geben, zum Beispiel beim Tragen an der Schulter. Der Sohn oder die Tochter wird dann bereits den Kopf für kurze Augenblicke bereits selbst halten können. Dennoch sollten Sie nach wie vor vorsichtig sein – und gerade beim Anheben die benötigte Unterstützung geben. Erst im Alter von etwa sechs Monaten ist die Muskulatur so entwickelt, dass Kinder volle Kontrolle über ihre Kopfbewegungen erhalten.

Ellenbogen – erst ab vier Jahren ausgereift

Der zweite „Schwachpunkt“, das Ellenbogengelenk, braucht sogar rund achtmal so lange, um voll belastbar zu sein. Denn bis zum Alter von vier Jahren kann die Verbindung zwischen Unterarm und Oberarm bei einer Belastung noch leicht gelöst werden. Und beim Auseinanderziehen des Ellenbogengelenks kann es vorkommen, dass umliegendes Gewebe in den Gelenkspalt rutscht. Lassen die Zugkräfte beim Loslassen nach, wird dieses Gewebe im Gelenk dann eingeklemmt – mit sehr schmerzhaften Folgen. Das besondere hierbei: Meist bildet sich um das Gelenk keine Schwellung, so dass man von außen nichts sieht. Allerdings nehmen betroffene Kinder instinktiv eine Schonhaltung des Armes ein. Sie halten den gebeugten Unterarm leicht gegen den Bauch gedrückt, wobei die Handinnenfläche auf den Körper zeigt. Der Arm scheint dann wie gelähmt, weswegen man auch von einer Chassaignac-Lähmung spricht.

Zwar ist die Behandlung und Heilung dieser Chassaignac-Lähmung in aller Regel unkompliziert: Der Kinderarzt kann mit einem schnellen Handgriff das gelockerte Ellenbogengelenk wieder in die richtige Position bringen. Nichtsdestotrotz sollte man natürlich seinen Kindern diese schmerzhafte Erfahrung ersparen.

Nicht an den Armen ziehen

Aus diesem Grund raten Ärzte dazu, Kinder bis vier Jahren in keinem Fall an den Händen hochzuziehen, sondern sie beim Anheben immer um die Brust zu fassen. Generell sind alle ruckartigen Belastungen der Unterarme zu vermeiden. Tatsächlich ist es zu Chassaignac-Lähmungen auch schon durch ein überhastetes und ungeduldiges Ausziehen der Jacke durch die Eltern gekommen.

Besondere Vorsicht ist nicht zuletzt beim beliebten „Engelchen flieg!“-Spiel geboten! Grundsätzlich erscheint es nicht sinnvoll, hier den Bewegungsdrang der Kinder auszubremsen – und komplett darauf zu verzichten. Allerdings sollten Eltern und Kinder wissen, worauf sie sich einlassen. Wenn die Kinder ihre Muskeln anspannen, reduziert sich die Zugbelastung deutlich, so dass häufig gar nichts passiert. Allerdings verläuft die Entwicklung der Kinder in diesem Punkt recht unterschiedlich. Während schon manche Dreijährige die Belastungen beim wilden Durch-Die-Luft-Wirbeln problemlos auffangen können, sind für manche Vierjährigen schon deutlich sanftere Bewegungen schmerzhaft. In jedem Fall ist es sinnvoll, bei diesem Spiel die Intensität ganz allmählich zu steigern. Außerdem ist es möglich, die Kinder unter den Achseln anzufassen. Dann wird der Ellenbogen gar nicht erst belastet.