: Jugendliche: gefährliche Hörschäden

Viele Jugendliche hören zu häufig zu laut Musik – und sind sich der Problematik offenbar kaum bewusst. Forscher befürchten daher, dass derzeit eine neue Generation heranwächst, die später unter erheblichen Hörschäden leiden wird. 

Schon seit Jahren wird immer wieder vor Hörschäden durch zu laute Musik gewarnt. Bedienungsanleitungen vieler Geräte sind längst mit entsprechenden Hinweisen versehen. Leider zeigt sich allerdings: Die Warnungen haben kaum einen Effekt – und Wissenschaftler befürchten sogar, dass der sorglose Umgang mit zu lauter Musik in Zukunft zu einer wachsenden Zahl von Hörschäden führen wird. Das geht aus einer kanadisch-brasilianischen Studie hervor, an der unter anderem die Universitäten in Hamilton, Ontario, und São Paolo beteiligt waren. Bei der Untersuchung befragten die Forscher zunächst Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren nach ihren Hörgewohnheiten und Erfahrungen mit lauter Musik und kombinierten dies mit detaillierten Hörtests.

Tinnitus-Experten schlagen Alarm

Allein schon die Antworten der Jugendlichen auf die Frage nach ihren Hörgewohnheiten waren aus medizinischer Sicht bedenklich: Ein Großteil der Studienteilnehmer setzt sich zu häufig zu lauter Musik aus – und zwar sowohl durch Kopfhörer als auch Lautsprecher. Sehr besorgniserregend sind insbesondere jedoch die Ergebnisse, die die Tinnitus-Experten sammelten, die Teil des Forscherteams waren: Gefragt wurde nämlich auch nach den erlebten Auswirkungen lauter Musik auf das Gehör. Hier berichtete mehr als die Hälfte der 11- bis 17-Jährigen, schon einmal nach dem Konsum lauter Musik ein Pfeifen im Ohr gehabt zu haben. Besonders alarmierend: Ein Viertel der Jugendlichen gab an, dass solch ein Störgeräusch bei ihnen dauerhaft anhalte. Diese Probanden leiden somit ganz offensichtlich an einem Tinnitus – eine Erkrankung, die typischerweise erst im mittleren Lebensalter auftritt.

Im zweiten Schritt untersuchten die Forscher nun die Hörfähigkeit. Dabei setzten sie nicht nur auf die Standard-Hörtests, bei denen es insbesondere darum geht, möglichst leise Töne wahrzunehmen. Sie wendeten einen Test an, mit dessen Hilfe man versteckte Hörschäden aufspüren kann. Vereinfacht gesagt wird bei diesem Test die Empfindlichkeit des Gehörs überprüft. Denn geschädigte Nervenzellen im Hörsinn reagieren auf lautere Töne besonders empfindlich. Das Ergebnis dieser Untersuchungen: Zwar war bei den Tinnitus-Probanden die Hörfähigkeit noch nicht eingeschränkt. Allerdings konnten die Forscher mit den Empfindlichkeits-Tests zeigen, dass bereits deutliche Schäden im Gehör vorhanden waren, die sich jedoch erst typischerweise im weiteren Lebensverlauf bemerkbar machen. Problematisch sind solche Schädigungen der Nervenzellen nicht zuletzt deswegen, weil es keine wirksame Therapie gibt.

Die Forscher betonen daher eindrücklich, wie wichtig es ist, seine Ohren zu schützen. Sie befürchten, dass die Gesellschaft in einigen Jahren mit einer ganzen Generation Hörgeschädigter konfrontiert sein wird. Fest steht dabei: Das Problem ist vielen Betroffenen gar nicht bewusst – und sie schädigen ihr Gehör quasi aus Versehen.

Um Ihre Ohren – oder die Ihres Sohnes bzw. Ihrer Tochter – vor zu lauter Musik zu schützen, sollten Sie insbesondere auch auf die folgenden Punkte achten:

  • Risiko Billig-Kopfhörer
    Egal ob MP3-Player oder Smartphone: Gerade die Zeit in Bahnen und Bussen wollen sich Viele durch ihre Lieblingsmusik angenehmer gestalten. Doch meist sind die tragbaren Geräte nur mit sehr einfachen Kopfhörern ausgestattet, die überhaupt nicht in der Lage sind, Hintergrundgeräusche abzuschirmen. Die Folge: Damit der Musikgenuss von den oftmals deutlichen Fahrgeräuschen oder der lautstarken Unterhaltung der Sitznachbarn nicht beeinträchtigt wird, stellen so manche den Regler lauter, als es gut wäre.
    Abhilfe schafft hier ein hochwertiger Kopfhörer. Der sorgt nicht nur für einen besseren Sound, sondern dämpft auch die Hintergrundgeräusche, wodurch man die Musik auch leise genießen kann.
  • Lärm in gewöhnlichen Kneipen
    Früher galten vor allem Rock-Konzerte und Diskotheken als gefährliche Lärmfallen. Doch auch in vielen gewöhnlichen Kneipen herrschen mitunter gesundheitsgefährdende Geräuschpegel. Ursache dafür ist oft gar nicht die Musik, sondern eine allgemein schlechte Akustik. Nackte Wände und nüchternes Design sorgen dafür, dass der Schall vielfach zurückgeworfen wird. Ganz gewöhnliche Unterhaltungen der Gäste können sich so zu einem gefährlichen Lärmteppich hochschaukeln. Typisches Warnzeichen hierfür ist es, wenn man regelrecht schreien muss, um mit seinem Gegenüber ein Gespräch führen zu können. Solche Lokalitäten sollte man möglichst meiden. 
  • Teilweise Entwarnung für Diskos und Konzerte
    Im professionellen Musikbereich ist es in den vergangenen Jahren zu einem Umdenken gekommen – und seriöse Betreiber achten heute mehr denn je darauf, Lärmobergrenzen einzuhalten. Schließlich braucht es für den „satten Sound“ nicht unbedingt große Lautstärke, sondern vielmehr einen stimmigen Klang. Das geht jedoch nur mit guter und vor allem gut eingestellter Technik, was wiederum Geld und Knowhow erfordert. Daran hapert es oft bei kleineren Veranstaltungen oder privat organisierten Partys. Generell sollte man bei lauter Musik daher immer skeptisch sein.

Alles in allem gilt: Es macht keinen Sinn, für das Thema mit „erhobenem Zeigefinger“ zu werben. Denn gerade Jugendliche reagieren darauf schnell mit Trotz. Viel wichtiger ist es, dass alle verstehen, worin das Problem besteht – nämlich dass zu laute Musik de facto eine Art von Körperverletzung darstellt, deren Folgen sich meist erst Jahre später zeigen. Und dabei spielt es keine Rolle, ob man selbst oder ein anderer den Lautstärkeregler bedient.