: Tattoos: Jugendliche über Risiken aufklären

Werden Eltern mit einem Tattoo-Wunsch konfrontiert, sollten sie die Risiken kennen – und vermitteln können. Denn egal ob am Ende ein „Nein“ oder ein „Ja“ steht. Jugendliche sollten sich über mögliche Konsequenzen im Klaren sein.

Tattoos sind vor allem bei jungen Menschen beliebt. Und so ist es nicht unwahrscheinlich, dass Eltern irgendwann mit dem Wunsch nach einem Tattoo konfrontiert werden. Selbstverständlich haben Eltern hierbei das Recht, „nein“ zu sagen. 

Gesetzliches Verbot

Bis zum Alter von 16 Jahren ist ein „Nein“ ohnehin selbstverständlich. Denn es ist gesetzlich verboten, Personen unter 16 Jahren zu tätowieren. Mit dem 16. Geburtstag fangen jedoch oft die Diskussionen an: Bei Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren ist ein Tätowieren möglich – mit der Einverständniserklärung der Eltern. Egal, ob „Ja“ oder „Nein“, Eltern sollten auf die folgenden Risiken hinweisen:

  • Mögliche Infektionen
    Um ein Tattoo anbringen zu können, muss die Farbe mit einer entsprechenden Nadel in die Haut hineingespritzt werden. Wird hierbei nicht in jeglicher Hinsicht auf Hygiene geachtet, sind schwerwiegende Erkrankungen möglich. Ist die Tätowiernadel verunreinigt, können Krankheiten wie Hepatitis B und C, aber auch Tetanus und natürlich HIV, also Aids, übertragen werden. Auch Pilzinfektionen können sich auf diese Art und Weise ausbreiten.
  • Komplikationen bei der Heilung
    Das Einstechen mit der Tätowiernadel bedingt zwangsläufig eine Verletzung der Haut. Mit dem daraus resultierenden Schmerz dürften die meisten rechnen. Dass jede Verletzung auch einen Heilungsprozess nach sich zieht, machen sich viele jedoch nicht bewusst. Und die Heilung der Haut verläuft eben nicht immer so reibungslos, wie man sich das wünscht. Egal, ob bei einer Schürfwunde, einem Schnitt oder eben einer Nadelverletzung durchs Tättowieren: Komplikationen, von einer länger als üblich anhaltenden Rötung und Schwellung bis zur hartnäckigen Entzündung ist alles möglich. Bei Personen mit Diabetes, Abwehrschwäche, Herzfehlern, Blutungsneigung und Hautkrankheiten wie Neurodermitis besteht ein erhöhtes Risiko für Komplikationen. Diese Personen sollten besser ganz auf ein Tattoo verzichten.
  • Ungeeignete Farbstoffe
    Zwar sind seit 2009 in Deutschland die besonders gesundheitsschädlichen Azofarbstoffe verboten. Dennoch gibt es keine einheitliche Regulierung für Tätowierfarben. So gelangen immer wieder Farben unter die Haut, die dort nichts zu suchen haben, leider auch krebserregende und erbgutschädigende Stoffe. Oft handelt es sich hierbei um Substanzen, die unter Einwirkung der UV-Strahlung gesundheitsschädliche Spaltprodukte entwickeln können. Die können dann mit den Jahren herausgelöst werden – und so in die Blut- und Lymphgefäße gelangen.
  • Allergische Reaktionen
    Gelegentlich kommt es infolge des Tättowierens auch zu allergischen Reaktionen. Im Extremfall können diese – in Kombination mit dem gestörten Heilungsprozess der Haut – zu einer erheblichen Narbenbildung führen.
  • Noch wachsende Haut
    Bei Jugendlichen ist der Wachstumssprozess gegebenenfalls noch nicht abgeschlossen – und wächst die Haut an der tätowierten Stelle, verändert sich natürlich auch die optische Erscheinung des Tattoos. Es kann sich in die Länge oder Breite ziehen – oder durch Falten aus der Form kommen.
  • Wechselnde Moden
    Tattoos unterliegen – genauso wie Kleidung, Popmusik und Schmuck – sich ständig wechselnden Moden. Was heute noch absolut „hip“ und „en vogue“ ist, kann schon morgen „von gestern“ sein. Zwar reagieren Jugendliche ausgesprochen sensibel auf dieses Argument. Gerade beim Tätowieren ist es jedoch wichtig, dass sie sich bewusst sind, dass man ein Tattoo nicht so ablegen kann wie ein T-Shirt, das einem nicht mehr gefällt.
  • Schlechtere Karrierechancen
    Ob einem ein Tattoo gefällt oder nicht, mag für viele eine Frage des Geschmacks sein. Nicht so jedoch für viele Chefs und Personalverantwortliche. Diesen stellt sich bei einem Tattoo nämlich nicht die Frage, ob es ihnen selbst gefällt, sondern wie mögliche Kunden, Geschäftspartner etc. darauf reagieren. In zahlreichen Branchen und Unternehmen kann ein Tattoo daher der Karriere schaden – wenn es nicht von der Kleidung bedeckt wird.

Zwar ist es inzwischen möglich, ein Tattoo mittels Laser wieder entfernen zu lassen. Das ist jedoch sehr kostspielig und aufwendig. Es kann zu Entzündungen, Narben und Pigmentstörungen kommen. Und bei farbenfrohen, also nicht schwarzen Tätowierungen, gelingt dies nicht immer vollständig. 

Argumente statt Emotionen

Diese Argumente sollten Eltern möglichst sachlich mit ihren Jugendlichen durchsprechen. Und in jedem Fall ist es sinnvoll, dass Jugendliche die einzelnen Punkte kennen, selbst wenn die Eltern dann beim „Nein“ bleiben. Denn so sind die Jugendlichen informiert – und wissen, was sie tun, wenn sie sich mit der Volljährigkeit den Wunsch nach einem Tattoo selbst erfüllen.

Und falls Eltern sich für ein „Ja“ entscheiden sollten, gilt: Es macht Sinn, dass sich die Eltern das Tätowierstudio mit eigenen Augen anschauen – um sich davon zu überzeugen, dass alle notwendigen Hygiene-Regeln eingehalten und nur gesundheitlich unbedenkliche Farbstoffe verwendet werden.