: Wachstumsschmerzen – was ist dran?

Kinder wollen so schnell wie möglich groß werden. Doch das ist manchmal schmerzhaft – auch im körperlichen Sinne. Wachstumsschmerzen sind keine Seltenheit, aber harmlos wenn man richtig damit umgeht.

Größer werden kann manchmal weh tun. Vor allem Kinder zwischen drei und fünf Jahren bzw. zwischen acht und zwölf Jahren sind von diesen ominösen Wachstumsschmerzen betroffen. Experten schätzen, dass bei immerhin 20 bis 40 Prozent der Kinder in diesem Alter der Wachstumsprozess gelegentlich weh tut.

Schlafräuber schmerzende Beine

Es ist typisch für diese Schmerzen, dass sie nur abends oder nachts da sind, wenn das Kind ruht und eigentlich schlafen sollte. Außerdem treten sie nur am Ober- und Unterschenkel in unmittelbarer Nähe zum Knie auf. Allerdings ist es normal, das in der einen Nacht das linke Bein betroffen sein kann – und in einer anderen Nacht dann das rechte Bein. Am Tage wiederum sind die Schmerzen wie weggeblasen. Kinder, die in der Nacht zuvor noch gejammert haben, toben am darauffolgenden Tag so, als wäre nichts gewesen. Viele Eltern haben daher das Gefühl, es mit einem Phantom zu tun zu haben.

Tatsächlich geht es der wissenschaftlichen Medizin fast genauso. Kein Kinderarzt bezweifelt zwar, dass diese Schmerzen real sind. Doch die konkrete Ursache dafür ist den Wissenschaftlern bislang ein Rätsel. Auf Röntgenaufnahmen und bei der Magnetresonanztomografie lässt sich nichts erkennen. Und auch bei Blut- und weiteren Laborwerten gibt es keinerlei Auffälligkeiten.

Wahrscheinlich hormonelle Ursache

Die Forscher vermuten daher, dass die Ursache der Schmerzen mit den Wachstumshormonen in Zusammenhang steht, die der Körper nachts bildet. Mit dem Zubettgehen beschleunigt sich der Wachstumsprozess, so dass es zu Spannungen in der Knochenhaut kommen könnte. Am Morgen wiederum wird dieser Prozess gedrosselt, die Spannungen bauen sich ab und die Schmerzen sind verflogen.

Manche Experten vermuten wiederum, dass auch die Entwicklung des Nervensystems oder Belastungen tagsüber eine Rolle spielen.

Andere Erkrankung ausschließen

Wo die Ursachen genau liegen, ist in der konkreten Situation letztlich egal. So lange es bei den typischen, ein wenig geisterhaften, Symptomen bleibt, besteht kein Grund für Unruhe. Bei den folgenden Anzeichen, die nicht für Wachstumsschmerzen, sondern für ein ernstzunehmendes medizinisches Problem sprechen, sollten Sie jedoch zum Arzt gehen:

  • Rötungen und Schwellungen
    Bei Wachstumsschmerzen sind die betroffenen Stellen nie deutlich gerötet oder angeschwollen. Diese Symptome sprechen für eine Entzündung, genauso wie eine erhöhte Durchblutung und damit Übererwärmung der betroffenen Stelle.

  • Schmerzen bleiben am Tage
    Klagt das Kind auch tagsüber über die Schmerzen, liegt die Ursache mit großer Wahrscheinlichkeit woanders.

  • Schonhaltung, Vermeidung bestimmter Bewegung
    Ist das Kind steif und unbeweglich, oder hinkt es gar, wird es ganz offensichtlich von Schmerzen beeinträchtigt – auch wenn es nichts sagt.

Außerdem steht fest: Wenn die nachts auftretenden Schmerzen über einen längeren Zeitraum immer wieder kommen, sowie immer dann, wenn Sie unsicher sind, ist es besser, lieber einmal zu oft zum Arzt zu gehen!

Linderung in der Nacht

Darüber hinaus gilt: Auch wenn die Wachstumsschmerzen an sich harmlos sind, können sie dem Kind – und in der Folge den Eltern – den Schlaf rauben. Es ist daher wichtig, die Schmerzen zu lindern. Das wichtigste hierbei ist Trost und Zuspruch der Eltern. Außerdem haben sich Hausmittel bewährt: Vom beruhigenden Kräutertee über Massagen zu verschiedenen Wickeln – wobei gerade die Erfahrung mit den Wickeln den phantomartigen Charakter der Wachstumsschmerzen erneut offenbart. Denn manche Eltern schwören auf Wärme-Packs, während andere bessere Erfahrungen mit kalten Wickeln gemacht haben – aus medizinischer Sicht ein Widerspruch.

Da aber letztlich kein „richtiger“ körperlicher Defekt vorliegt, macht es vermutlich keinen Unterschied – und es kommt einzig darauf an, womit sich das Kind in der konkreten Situation wohler fühlt.