: Warum das Lernen Spaß machen sollte

Wird Lernen zur Qual, hat dies weitaus negativere Folgen, als vielen bewusst ist: Denn dann können wir das Gelernte nur eingeschränkt anwenden. Sorgen Sie also für eine positive Lernatmosphäre – bei sich selbst und bei Ihren Kindern.

Eigentlich ist es ganz logisch: Mit Spaß fällt das Lernen viel leichter – und der Stoff bleibt besser hängen. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Denn die Hirnforschung zeigt: Je nachdem, ob wir das Lernen als Freude oder als Qual empfinden, wird das Gelernte an ganz unterschiedlicher Stelle im Gehirn abgelegt. Und das hat erhebliche Folgen darauf, wie gut wir theoretisches Wissen im Alltag anwenden können. Mit unter Stress Erlerntem können wir nicht kreativ weiterarbeiten.

Falscher Speicherort für kreative Impulse

Das hat folgende Ursache: Je nachdem, wie wir uns fühlen, leitet das Gehirn den erlernten Stoff an unterschiedliche Schaltstellen. Bei einer positiven Grundstimmung landen die Informationen im Hippocampus. Das geschieht immer dann, wenn wir beim Lernen Freude, Neugierde oder ähnliches empfinden. Ist das Lernen für uns mit Stress, Zwang, Frustration, Ärger, Wut und anderen negativen Gefühlen verbunden, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Informationen ihren Weg in den Mandelkern finden.

Doch das hat erhebliche Auswirkungen für das weitere Leben: Denn der Mandelkern ist quasi das Panik-Zentrum im Gehirn. Er steuert Kampf- und Fluchtreaktionen. Diese Reaktionen müssen schnell, zuverlässig und ohne lange nachdenken zu müssen ablaufen. Aus diesem Grund ist die Struktur der neuronalen Abläufe folgendermaßen beschaffen: Alles Gelernte, was dort abgespeichert ist, können wir zwar schnell, aber nur sehr eindimensional anwenden. Das ist gut, wenn es ums Überleben geht. Aber übertragen auf komplexe Problemlösungen bedeutet das: Wir können nur nach einem vorgegebenen Schema handeln. Kreative und wohlüberlegte Ansätze kann das Gehirn vom Mandelkern aus nicht liefern. Für komplexes Wissen und insbesondere für das Herstellen von Bezügen, Analogien und Querverbindungen ist dieses Gehirnareal ein ungeeigneter Ort.

Für komplexes Lernen – und letztlich auch für Kreativität – ist es notwendig, dass die Informationen den Weg in den Hippocampus finden. Das funktioniert jedoch nur dann optimal, wenn Lernen in einer angstfreien und möglichst fröhlichen Atmosphäre stattfindet. Gerade im Hinblick auf die Anforderungen der modernen Informations- und Wissensgesellschaft ist diese Erkenntnis nicht zu unterschätzen. Schließlich brauchen wir mehr denn je Arbeitskräfte, die vom vorgegebenen „Schema F“ abweichen können – und neue, kreative Lösungsansätze entwickeln. Lernen unter Zwang ist folglich nicht nur uneffektiv, sondern bezogen auf die späteren Karriere- und Entwicklungschancen auch kontraproduktiv!

Doch was kann man konkret tun, damit beim Lernen der Spaß nicht auf der Strecke bleibt – egal ob bei den Kindern oder bei einem selbst?

  • Demotivieren vermeiden
    Es ist immer wieder erstaunlich: Am Anfang macht allen Kindern die Schule Spaß. Doch mit der Zeit kippt das bei vielen – und die Schule wird zur lästigen Pflicht. Gründe dafür gibt es viele. Fest steht jedoch: Die ursprünglich vorhandene Motivation geht verloren – es hat eine Demotivation stattgefunden. Die gilt es, unbedingt zu vermeiden. Loben Sie also Ihre Kinder für ihre Erfolge – und spenden Sie Trost, wenn es mal nicht so gut läuft. Strafen und dergleichen sind bei schlechten Noten kontraproduktiv.

  • Mit gutem Beispiel vorangehen
    In weiten Teilen der Gesellschaft ist Lernen nach wie vor nicht sonderlich hoch angesehen. Wer sein Wissen aus eigenem Antrieb heraus erweitert, gilt schnell als Streber. Das macht sich ab einer bestimmten Altersstufe in der Schule deutlich bemerkbar, so dass eine Gruppendynamik gegen das Lernen entstehen kann. Hier hilft es, wenn die Eltern lernen selbst vorleben: Zeigen Sie Ihren Kindern, dass auch Sie im Beruf ständig dazu lernen müssen. Und noch besser ist es, wenn Sie selbst freiwillig Kurse besuchen, z.B. an der Volkshochschule eine Sprache erlernen. Wenn Eltern aus eigenem Antrieb Hausaufgaben o.ä. erledigen, hat dies zweifellos eine Vorbildfunktion für die Kinder.

  • Alternative Lernsituationen schaffen
    Unser Gehirn ist so programmiert, dass es eigentlich gar nicht anders kann, als zu lernen. Die Schule ist daher zwar ein wichtiger, aber längst nicht der einzige Lernort. Begeben Sie sich also mit Ihren Kindern bewusst an Orte, wo es zwangsläufig zu neuen und vielschichtigen Eindrücken kommt. Das ist z.B. in Museen der Fall, egal ob moderne Kunst, Fahrzeuge oder Ritterrüstungen zu sehen sind. Auch Reisen bildet – und hierbei macht es einen großen Unterschied, ob man nur am Strand liegt, oder ob man Orte und Landschaften im Umland erkundet. Dazu muss man meist nicht weit fahren. Gehen Sie mit Ihren Kindern neugierig und offen durch das Leben.

  • Interessen fördern
    Alle Kinder, auch die, die schlechte Noten nach Hause bringen, haben irgendwelche Interessen. Und egal ob es sich um Autos, Pferde oder die Spielstände aller Fußball-WM-Spiele handelt, gilt grundsätzlich: Fördern Sie diese Interessen.Zwar mag das dabei erworbene Wissen – von Hubraumgrößen über Pferderassen bis zu Spielernamen – wertlos erscheinen. Doch entscheidend ist weniger, was dabei im Gedächtnis gespeichert wird, sondern dass überhaupt eine Lernsituation vorhanden ist. Denn gerade bei solchen Interessen und Hobbys findet Lernen spielerisch und frei von Zwängen statt. Die Folge: Das Gehirn trainiert sich quasi darin, Lernen unter einer positiven Grundstimmung stattfinden zu lassen. Dieser Prozess ist wertvoll – unabhängig von den dabei aufgeschnappten Inhalten.