: Diabetes nicht unterschätzen

Immer mehr Menschen leiden an Diabetes - in Deutschland und weltweit. Dabei ist die Stoffwechselstörung keine harmlose Volkskrankheit, sondern hat häufig erhebliche Folgen: Unbehandelt führt Diabetes oft zu Erblindungen und Amputationen.

Die Stoffwechselstörung Diabetes gilt längst als Volkskrankheit. Waren es 1980 in ganz Deutschland etwa 3,4 Millionen Betroffene, ist die Zahl im Jahr 2014 laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf 5,1 Millionen gestiegen. Zwar schneidet Deutschland mit dieser vergleichsweise moderaten Steigerung im internationalen Vergleich gut ab. Weltweit stieg die Zahl der Erkrankten im selben Zeitraum von 108 Millionen auf 422 Millionen. Doch auch hierzulande handelt es sich um eine gewaltige Herausforderung.

Denn anders als es der Begriff "Volkskrankheit" zum Ausdruck bringen mag, ist Diabetes nicht etwa ein Allerweltsproblem, das eben jeden irgendwie betrifft, sondern oftmals mit verheerenden Folgen für den Körper verbunden. Immer wieder führt Diabetes zum Verlust eines (oder mehrerer) Gliedmaßen oder gar des Augenlichts. Die "Zuckerkrankheit", wie viele die Stoffwechselstörung nach wie vor verharmlosend bezeichnen, ruiniert auf Dauer den Körper.

Zucker als Zellgift

Der Grund: Zucker schadet den Körperzellen. Ab einer gewissen Konzentration wirkt er regelrecht wie ein Zellgift. Denn er entzieht lebendigen Zellen das Wasser, so dass sie ihrer Existenzgrundlage beraubt werden. Nicht ohne Grund kommt Zucker seit Jahrhundeten zum Einsatz, um Lebensmittel haltbarer machen - etwa bei Obstkonserven oder Marmelade. So können sich dort keine Mikroben ansiedeln.

Ein vergleichbarer Effekt tritt jedoch bei einem dauerhaft zu hohen Blutzuckerspiegel ein. Die menschlichen Körperzellen werden geschädigt - Nerven und Blutgefäße leiden. Die Folge: Es kommt zu Durchblutungsstörungen - typischerweise in der Augennetzhaut und in den Beinen. So klagen etwa 25 Prozent aller Diabetiker über Sehstörungen. Schreitet die Erkrankung ungebremst fort, droht letztlich der Verlust der Sehkraft.

Auch die Gliedmaßen sind in Gefahr. Denn wegen der Durchblutungsstörungen und Nervernschädigungen bemerken Patienten kleine Verletzungen am Fuß nicht mehr so richtig - und beschädigte Zellen werden nicht mehr repariert. Das beginnt oft ganz harmlos mit einer leichten Druckstelle, kann sich aber mit der Zeit zum sogenannten diabetischen Fuß entwickeln: eine schlecht heilende Wunde, die zu einem Geschwür wird, das tief in die Haut hineinreicht und von gefährlichen Keimen besiedelt wird. Dies führt zu irreparablen Schäden. Noch schlimmer: Die Fäulnis kann auch auf den restlichen Körper übergreifen. Deshalb ist im fortgeschrittenen Stadium häufig eine Amputation unumgänglich.

Diabetes ist Hauptursache für Amputationen

Tatsächlich gehen zwei Drittel aller Amputationen hierzulande auf das Konto des sogenannten diabetischen Fußsyndroms - das sind 40.000 pro Jahr. Haben wir den Verlust eines Beines noch vor wenigen Jahrzehnten vor allem mit Unfall- und Kriegsopfern in Verbindung gebracht, müssen wir nun erkennen: Die meisten Amputationen sind in unserer Überflussgesellschaft indirekt die Folge einer ungesunden Lebensweise.

Grundsätzlich gibt es zwei Varianten des Diabetes mellitus: Typ 1 und Typ 2. Während es sich bei Typ 1 letztlich um eine Autoimmunerkrankung handelt, vor der es keinen praktischen Schutz gibt, steht der weitaus häufiger auftretende Typ 2 in unmittelbarem Zusammenhang mit Übergewicht. Zwar gibt es auch genetische Faktoren, aber die Mediziner sind sich sicher: Diese Form des Diabetes fällt nicht einfach so vom Himmel. Sie ist bedingt durch eine ungesunde Lebensweise, also Bewegungsmangel und zu kalorienreiche Ernährung. Und selbst wer genetisch vorbelastet ist, kann möglicherweise den Diabetes nicht verhindern, aber sehr wahrscheinlich ins hohe Alter hinausschieben - und damit viele gefährliche Folgeerkrankungen.

Zwar lassen sich diese Folgeerkrankungen verhindern, wenn der Blutzuckerspiegel richtig eingestellt wird. Doch das ist nicht so einfach, wie viele denken: Es reicht oftmals nicht aus, einfach nur regelmäßig ein paar Tabletten zu schlucken oder Insulin zu spritzen. Selbst dann kann der Blutzuckerspiegel nämlich immer wieder kritische Werte überschreiten und die Körperzellen schädigen - mit allen negativen Folgeerscheinungen. Vielmehr müssen sich die betroffenen Patienten sehr diszipliniert ernähren. Zudem spielt ein moderates und regelmäßiges Bewegungsprogramm eine wichtige Rolle.

Verbesserung durch veränderte Lebensgewohnheiten

Entscheidend ist, dass sich der Patient aktiv darum kümmert, dass sich sein Gesundheitszustand nicht verschlechtert. Und andersherum gilt: Eine Umstellung der Lebensgewohnheiten kann den Diabetes mellitus Typ 2 sogar deutlich entschärfen. Betroffene können dann sogar oftmals mit weniger oder sogar ganz ohne Medikamente auskommen.

Weiterführende Informationen

Die Deutsche Diabetes Hilfe bietet ein umfangreiches Informationsportal inklusive Experten-Chat. Dort finden Interessierte unter anderem Wissenswertes zum Thema Diabetes und Ernährung, Diabetes bei Kindern und Erste Hilfe-Maßnahmen. Das Portal finden Sie hier.