: Wenn der Darm streikt

Darmprobleme können in unterschiedlichen Formen auftreten. Wir erklären Ihnen die häufigsten Darmerkrankungen und was man dagegen tun kann.

Akute Darminfektionen

Werden Krankheitserreger wie Viren, Bakterien und Parasiten über verdorbenes Essen oder verschmutztes Trinkwasser aufgenommen, können Giftstoffe die Darmschleimhaut belasten. Das führt zu Durchfall, Bauchschmerzen und Appetitlosigkeit. Wichtig ist, den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Bei akutem normalem Durchfall genügt in der Regel gezuckerter Tee und Salzgebäck. Bei kleinen Kindern und alten Menschen sowie bei starkem Durchfall ist die Einnahme einer Rehydratations- oder Elektrolytlösung aus der Apotheke sinnvoll. Medikamente gegen Durchfall sollten Sie nur nach Absprache mit dem Arzt einnehmen, da sie die Ausscheidung von Giftstoffen verzögern können. Um einer akuten Durchfallerkrankung vorzubeugen und eine Ansteckung zu vermeiden, ist Hygiene durch regelmäßiges gründliches Händewaschen wichtig. Bei Reisen in subtropische oder tropische Länder sollten Sie je nach  Hygienestandard auf rohes, ungeschältes Obst und Gemüse verzichten und kein Leitungswasser trinken. Fisch oder Fleisch sollten gut durchgebraten oder gekocht sein.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Rund 300.000 Menschen sind in Deutschland von einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung betroffen. Dabei unterscheidet man zwei wichtige Formen: Morbus Crohn ist eine in Schüben verlaufende Erkrankung, die den gesamten Verdauungstrakt betreffen kann. In der Regel betrifft die Erkrankung den letzten Teil des Dünndarms. Die Beschwerden reichen von Blähungen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Gewichtsabnahme, Bauchschmerzen bis hin zu häufigen Durchfällen und Fieber. Die genauen Ursachen sind noch unklar. Experten gehen davon aus, dass bei einigen Patienten eine erbliche Veranlagung sowie Infektionen oder Immunsystemstörungen vorliegen. Je nach Ausprägung und Schweregrad der Erkrankung verordnet der Arzt entzündungs- und durchfallhemmende Medikamente.

Colitis ulcerosa ist eine chronische und meist in Schüben verlaufende Erkrankung, die Geschwüre (Ulcera) in der inneren Schleimhautschicht des Dickdarms (Kolons) verursacht. Typische Symptome sind häufige (blutschleimige) Durchfälle, Bauchschmerzen im linken Unterbauch, ständiger Stuhldrang, Gewichtsverlust und Fieber. Die genauen Ursachen sind ebenfalls noch unklar. Bislang werden die Beschwerden meist mit entzündungs- und schmerzlindernden Wirkstoffen behandelt. Bei schweren Krankheitsschüben kommen auch Kortison-Präparate und Immunsystem hemmende Substanzen oder eine Operation zum Einsatz.

Tipp: Betroffene können Beschwerden in vielen Fällen lindern, indem sie Speisen pürieren und blähende Lebensmittel wie Kohl, Zwiebeln oder Hülsenfrüchte meiden. Dadurch werden die Mahlzeiten bekömmlicher; gleichzeitig kann so ein Nährstoffmangel ausgeglichen werden.

Darmkrebs

Darmkrebs ist eine der häufigeren Krebserkrankungen hierzulande. Rund 61.000 Personen erkranken in Deutschland jährlich neu. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu. Viele Patienten sind über 75 Jahre alt. Bei Menschen unter 50 ist Darmkrebs in der Regel selten. Meist ist der Dickdarm betroffen. Darmkrebs entsteht meist aus Polypen, die sich in der Schleimhaut des Dickdarms entwickeln. Das Tückische: Er verursacht lange Zeit keine Beschwerden und bleibt daher vielfach unerkannt. Mögliche Symptome sind Schmerzen im Bauch, veränderte Stuhlgewohnheiten oder Blut im Stuhl. Bei fortgeschrittenem Darmkrebs kann Gewichtverlust, Übelkeit oder Appetitlosigkeit hinzukommen. Im Frühstadium reicht es meist aus, den Tumor operativ zu entfernen. In fortgeschrittenen Stadien kommen auch zusätzliche Behandlungen wie Chemotherapie und Bestrahlung infrage.

Eine gesunde Lebensweise kann Darmkrebs in vielen Fällen verhindern. Eine Möglichkeit zur Vorbeugung bietet auch die Darmspiegelung, bei der gleichzeitig Polypen entfernt werden können.

Reizdarm-Syndrom

Meist leiden Menschen zwischen 35- und 50 Jahren unter dem Reizdarm-Syndrom (RDS). Frauen sind zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer. Zu den Symptomen gehören Bauchschmerzen, veränderte Stuhlgewohnheiten wie Durchfälle, Verstopfung, auch im Wechsel, Schleim im Stuhl oder Blähungen und ein aufgetriebener Bauch. Nach internationaler Übereinkunft spricht man von einem Reizdarm, wenn die Beschwerden mindestens drei Monate im Jahr  vorliegen und wenn durch medizinische Untersuchungen eine körperliche Erkrankung ausgeschlossen ist. Aus diesem Grund spricht man auch von einer funktionellen Störung (= ohne organische Ursache). Unter anderem wird vermutet, dass überempfindliche Darmnerven, Störungen der Darmmuskulatur und Entzündungen der Darmwand und erbliche Veranlagung eine Rolle spielen. Auch Stress, Ernährungsgewohnheiten und Lebensmittelunverträglichkeiten gelten als mögliche Auslöser.

Bei milden Formen des Reizdarmsyndroms reicht oft schon, unverträgliche Nahrungsmittel wie zum Beispiel blähendes Kohlgemüse, Bohnen, Zwiebeln, Knoblauch, Kaffee oder scharfe Gewürze zu meiden. Bei Bedarf können auch Medikamente gegen Bauchschmerzen, Durchfall und Verstopfung eingesetzt werden.

Unverträglichkeiten

Rund 800.000 Menschen in Deutschland leiden an Zöliakie (Sprue). Hierbei handelt es sich um eine Unverträglichkeit des Dünndarms gegenüber dem Klebereiweiß Gluten, das vor allem in Getreidearten wie Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste oder Hafer enthalten ist. Da selbst geringe Spuren Beschwerden auslösen können, dürfen Betroffene nicht mit glutenhaltigen Produkten wie Nudeln, Brot oder Gebäck in Berührung kommen. Das ist oft schwierig, weil Gluten auch in vielen Lebensmitteln wie Soßen, Suppen, Puddings und selbst in Gewürzmischungen „versteckt“ sein kann. In der Folge kann es zu Mangelerscheinungen und Symptomen wie Gewichtsverlust, Blutarmut, Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Müdigkeit, Appetitlosigkeit oder ständigem Hunger kommen. Die einzige wirksame Behandlung besteht in einer lebenslangen glutenfreien Ernährung.

Bei 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung wird der Verzehr von Milch und Milchprodukten zum Problem. Bei einer Laktose-Intoleranz wird der Milchzucker (Laktose) aufgrund des Mangels oder Fehlens von Laktase nicht im Dünndarm aufgespalten und aufgenommen, sondern wandert unverändert in den Dickdarm. Dadurch entstehen Gase, die sich durch vermehrte Blähungen, Durchfälle oder krampfartige Bauchschmerzen äußern können. In diesem Fall hilft eine Umstellung der Ernährung sowie die Einnahme von künstlich hergestellter Laktase zu den Mahlzeiten. Wichtig ist, bei einer Laktose-Intoleranz Milchprodukte nicht vollständig zu meiden. Ansonsten besteht die Gefahr einer Unterversorgung mit Kalzium und ein erhöhtes Osteoporose-Risiko.