: Boreout: was ist dran?

Nicht nur eine psychische Überbelastung kann ein Problem darstellen. Auch permanente Unterforderung schadet unserer Psyche – und kann auf Dauer ebenfalls krank machen. Allerdings ist es meist leicht, dagegen etwas zu unternehmen.

Psychsiche Belastungen am Arbeitsplatz sind in den vergangenen Jahren zu einem allgegenwärtigen Thema geworden. Und tatsächlich haben Arbeitsdichte und Anforderungen an die Mitarbeiter vielerorts in den vergangenen Jahren eher zu- als abgenommen. Dass es sich hierbei nicht nur um subjektive Empfindungen handelt, belegt die deutlich angestiegene Anzahl entsprechender Krankmeldungen.

Insbesondere das so genannte Burnout-Syndrom ist längst nicht mehr nur einigen, unter besonderem Dampf stehenden Führungskräften oder Spitzenmanagern vorbehalten. Es hat längst die gesamte Breite der Gesellschaft erreicht. Anzeichen eines solchen Burnouts sollte man nicht unterschätzen. Denn es kann in einer Depression münden, aus der man schwer wieder heraus findet.

Krank durch Langeweile?

Neben dem Burnout sorgt aber auch das Gegenteil für Schlagzeilen: das so genannte Boreout. „To bore“ bedeutet so viel wie „sich langweilen“. Doch ist es tatsächlich möglich, sich so zu langweilen, dass man davon krank wird? Dass zu viel Stress und eine permanente Überforderung zu einem Zusammenbruch führen können, ist logisch. Aber das Gegenteil davon?

Gelegentlich auftretende Langeweile ist sicher nicht verantwortlich für psychische Erkrankungen. Und tatsächlich geht es bei einem so genannten Boreout auch weniger um Phasen der Langeweile im klassischen Sinn. Vielmehr ist damit das permanente Gefühl gemeint, unterfordert – und damit eigentlich überflüssig bzw. nutzlos zu sein. Untersuchungen zeigen, dass es eine nicht zu unterschätzende Zahl von Beschäftigten gibt, die darunter – zumindest in Ansätzen – leiden. Das ist insbesondere der Fall, wenn:

  • Mitarbeiter nicht entsprechend ihrer Qualifikation eingesetzt werden
    Wer ein anspruchsvolles Studium oder eine anspruchsvolle Ausbildung absolviert hat, aber im wesentlichen nur mit einfachen Routine-Arbeiten beauftragt wird, kann sich schnell unterfordert fühlen. Gerade jüngere Mitarbeiter berichten immer wieder davon, dass sie nicht die Chance erhalten, zu zeigen, was in ihnen steckt.

  • In der Firma weniger Arbeit anfällt
    Brummt die Konjunktur, sind häufig Überstunden angesagt. Doch jedem Boom folgt eine Flaute, so dass es in vielen Unternehmen eben auch arbeitsarme Phasen gibt – und somit jeder einzelne Mitarbeiter weniger zu tun hat.

  • Bestimmte Mitarbeiter ganz gezielt von Aufgaben ferngehalten werden
    Immer wieder kommt es vor, dass bestimmte Mitarbeiter ausgegrenzt werden, indem man ihnen keine oder bestenfalls triviale Aufgaben gibt. Da sie infolgedessen keine oder nur minimale beruflichen Erfolge vorzuweisen haben, werden sie von jeglicher Karriere-Entwicklung abgeschnitten.

Gerade die im letzten Punkt genannte Variante kann recht leicht zu einem so genannten Boreout führen. Schließlich wird dem Betroffenen vor Augen geführt, dass er im Prinzip nicht nur überflüssig, sondern dazu auch noch unerwünscht ist. Er ist dazu verurteilt nichts bzw. zumindest nichts Produktives zu tun. Man braucht schon eine sehr robuste psychische Gesundheit, um das über einen längeren Zeitraum ohne Beeinträchtigungen ertragen zu können.

Boreout als Mobbing-Variante

Achtung! Faktisch handelt es sich hierbei um eine verdeckte Form des Mobbings. Wer davon betroffen ist oder wer Entsprechendes beobachtet, sollte sich Hilfe suchen und mit aller Entschiedenheit dagegen vorgehen.

Das bedeutet aber natürlich nicht, dass jeder Mitarbeiter, der sich unterfordert fühlt, ein Mobbing-Opfer ist. Denn die in den beiden ersten Punkten genannten Situationen sind Teil des Alltags: Genauso wie es Phasen gibt, während derer nur wenig passiert, gehören auch vermeintlich langweilige Routine-Aufgaben zum Arbeitsleben dazu.

Dennoch gilt: Wer sich unterfordert fühlt, sollte etwas dagegen unternehmen. Hilfreich können die folgenden Schritte sein:

  • Weiterbildung
    Wer das Gefühl hat, unter seinen Möglichkeiten zu bleiben, sollte sich für zusätzliche Aufgaben qualifizieren. Damit können Sie ggf. Ihren Chef beeindrucken – und sich für Weiteres empfehlen.

  • Mehr Verantwortung
    Wenn Sie offen mit Ihren Vorgesetzten sprechen können, dann bitten Sie doch ganz konkret um eine anspruchsvollere Aufgabe.

  • Jobwechsel
    Wer partout am vorhandenen Arbeitsplatz keine Perspektive für sich sieht und sich daran über einen längeren Zeitraum nichts ändert, für den empfiehlt es sich, auch außerhalb des Unternehmens nach neuen Chancen zu suchen.

Denken sie jedoch nicht nur an die Arbeit, wenn Sie das Gefühl haben, unterfordert zu sein. Zwar definieren wir unseren gesellschaftlichen Status weitgehend über unseren Beruf. Dennoch ist die Arbeit nur ein Teil unseres Lebens. Nicht ohne Grund sprechen Psychologen von Work-Life-Balance! Es ist nur folgerichtig, dass uns das Arbeitsleben immer nur teilweise erfüllen kann – auch wenn immer wieder der gegenteilige Eindruck erweckt wird.

Suchen Sie sich daher ganz bewusst auch anspruchsvolle Aufgaben in Ihrer Freizeit. Das kann das Erlernen einer Fremdsprache genauso sein wie gesellschaftliches Engagement oder die Beschäftigung mit Kunst und Kultur.