: Gereizte Haut durch Waxing?

Haare sind an vielen Körperstellen zunehmend unerwünscht. War vor einigen Jahren noch die Rasur die Standardmethode, soll es heute die dauerhafte Haarentfernung sein. Das ist oft schmerzhaft und bei fehlerhafter Anwendung nicht unbedenklich.

Kokettierten noch vor wenigen Jahrzehnten Schlagersänger mit ihren Brusthaar-Toupets, gilt seit einigen Jahren behaarte Haut fast an jeder Körperstelle als modischer Fauxpas. Nicht nur bei Frauen sollen Achseln und Beine möglichst haarfrei sein. Auch Männern wird ein möglichst unbehaartes Schönheitsideal nahe gelegt: In kaum einer Werbeanzeige sieht man am Oberkörper der Herren die von früher so vertraute Brustbehaarung.

Rasur reicht nicht mehr aus

Rasieren reicht Vielen längst nicht mehr aus. Denn egal ob elektrisch oder mit einer scharfen Klinge: Eine Rasur ist mühselig und der Effekt oft nur von kurzer Dauer. Und gerade nachwachsende Stoppeln sind manchmal nicht nur ein ästhetisches Problem. Sie sorgen unter der Kleidung oft für ein unangenehmes Kratzgefühl. Hinzu kommt: Gerade auch häufiges Rasieren kann die Haut reizen.

Aus Sicht der aktuellen modischen Ansprüche klingt es daher verlockend, mittels Waxing oder Sugaring die Haare an den unbeliebten Stellen zu entfernen. Dabei werden die gewünschten Partien entweder mit Wachs oder einer zuckerhaltigen Paste eingerieben. Ist das aufgetragene Material dann fest genug, wird es mitsamt den Haaren weggerissen. Das Besondere dabei: Die Haare werden an der Wurzel aus der Haut heraus gerissen. Zwar bildet die Haut früher oder später neue Haare nach. Allerdings bestätigen Hautärzte, dass sich infolge dieser Behandlung tatsächlich das Haarwachstum auf der Haut mit der Zeit reduziert.

Irritationen der Haut unvermeidbar

Doch kann es gesund sein, die Haare flächendeckend herauszureißen? Zweifel sind berechtigt: So bewirkt das Herausreißen der Haare zwangsläufig eine Irritation der Haut – und es ist normal, dass sich in den Haarbalgen Mikroentzündungen bilden, was man an den häufig nach dem Waxing auftretenden kleinen roten Punkten erkennen kann. Typischerweise kann es zu einem Jucken und Brennen kommen, so dass man die Haut mit einer beruhigenden Creme behandeln sollte.

Die gute Nachricht: Es handelt sich hierbei zwar um eine unangenehme, aber bei gesunder Haut in der Regel harmlose Begleiterscheinung. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass hygienisch sauber gearbeitet wird. Unabhängig davon gilt: Der Umgang mit flüssigem, erwärmten Wachs erfordert Vorsicht und Sachkenntnis. Denn ist das Wachs zu heiß, drohen Verbrennungen. Selbstbehandlungen sind unter diesem Vorzeichen kritisch zu sehen.

Wenn nachwachsende Haare blockiert werden

Nichtsdestotrotz sollte man gerade bei regelmäßigem Waxing seine Haut im Auge behalten. Denn mögliche Begleiterscheinungen können Miniwunden sein, die in der Tiefe des Haarbalgs zu unsichtbaren Mininarben führen. Solche Narben können dem nachwachsenden Haar den Kanal versperren, so dass es in die Haut einwächst. Das ist nicht nur unangenehm, sondern muss medizinisch behandelt werden. Denn ein einwachsendes Haar behandelt der Organismus wie einen gefährlichen Fremdkörper – inklusive möglichen Entzündungsreaktionen und auch ästhetisch unansehnlichen Fremdkörpergranulomen.

Zu solchen Nebenwirkungen kann es auch beim Sugaring kommen, das häufig als sanftere Alternative beworben wird. Immerhin fällt hierbei die mögliche Verbrennungsgefahr wie beim Wachs weg. Allerdings werden dabei die Haare aus den gleichen Haarwurzeln herausgerissen – und die Haut somit in der Summe den identischen mechanischen Reizen ausgesetzt. Ob man Waxing oder Sugaring als angenehmer empfindet, kann individuell verschieden – abhängig von der Beschaffenheit der Haare – sein.

Gefährlicher Umgang mit Problemzonen

Besonders kritisch sehen Mediziner die Haarentfernung im Intimbereich – und raten vom Waxing und Sugaring im Anal- und Genitalbereich ab. Denn die empfindlichen Häute dort sind weder für entsprechende thermische, noch mechanische Reize gemacht. Hier ist und bleibt die Rasur die bessere Alternative, wenn es denn sein muss. Aber auch diese birgt Verletzungs- und somit Entzündungsrisiken. Anstatt die Rasierklinge anzusetzen ist es daher oft die bessere Wahl, die entsprechenden Partien zu trimmen.

Denn fest steht schließlich auch: Der Trend zu möglichst wenig Haar hat gerade auch im Intimbereich medizinische Vorteile: Je kürzer die Schambehaarung, desto weniger Andockstellen finden Bakterien und lästige Parasiten. Nicht zuletzt gilt die Filzlaus aus diesem Grund in weiten Teilen der Welt als vom Aussterben bedroht.