: Kaugummis: begrenzter Nutzen für die Zahnpflege

Glaubt man der Werbung, dann können manche Kaugummis die Zahnpflege unterstützen. Doch Zahnärzte sind skeptisch - und warnen davor, deswegen die Zahnpflege zu vernachlässigen. Völlig nutzlos sind die Kaugummis aber nicht.

Längst sind zuckerfreie Kaugummis Standard, so dass häufiges Kaugummikauen zumindest den Karies-Bakterien nicht zusätzliche Nahrung verschafft. Seit einiger Zeit finden sich in den Regalen der Supermärkte und Drogeriegeschäfte jedoch außerdem Kaugummis, die versprechen, die Zähne zu pflegen. Zahnpflegekaugummis, so heißt es, könnten zahnschädliche Säuren neutralisieren und so der Kariesbildung vorbeugen. Die Werbung für diese Produkte argumentiert mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, wonach diese Kaugummis tatsächlich einen positiven Effekt auf die Zahngesundheit haben können. Doch was ist da wirklich dran?

Karies kann sich letztlich nur dort ausbreiten, wo Zahnbeläge über einen längeren Zeitraum bestehen. Die effektivste Vorgehensweise, um Karies vorzubeugen, ist daher unbestritten die mechanische Entfernung der Zahnbeläge - im Idealfall nach jeder Mahlzeit. Tatsächlich enthalten manche Zahnpflegekaugummis dazu bestimmte Mikrogranulate, die den Abrieb auf den Zahnoberflächen erhöhen sollen, damit sich die Beläge lösen.

Fast keine Effekte auf die Beläge

Die Effekte sind jedoch eher bescheiden: Diese Mikrogranulate können bestenfalls weiche Beläge lösen - nicht jedoch festere Plaque. Außerdem kann sich dieser Reinigungsprozess nur dort abspielen, wo mechanischer Druck auf den Kaugummi entsteht. Und das ist nur auf der Kaufläche möglich - nicht jedoch an den Seiten und Zahnhälsen. Und schon gar nicht in den Zahnzwischenräumen - also überall dort, wo sich Kariesherde besonders gern einnisten und somit eine besonders sorgfältige Reinigung erforderlich ist. Zahnpflegekaugummis haben daher nur einen sehr bescheidenen Effekt auf die Zahnbeläge.

Zahnpflegekaugummis – was sie tatsächlich bewirken können

Völlig wirkungslos sind diese Kaugummis jedoch nicht. Denn insbesondere können sie dazu beitragen, das Milieu in der Mundhöhle zu verbessern. Dafür sind zwei Effekte verantwortlich: Einerseits regt das Kaugummikauen an sich schon den Speichelfluss an. Und der Speichel enthält Mineralien, die den Zahnschmelz kräftigen. Der Speichel neutralisiert außerdem Säuren, die die Zähne angreifen könnten. Ein kontinuierlicher Speichelfluss erfüllt somit eine wichtige Schutzfunktion für die Zähne. Wichtig hierbei: Diese Säuren können nicht nur in der Nahrung an sich enthalten sein - etwa in gesundem Obst. Sie bilden sich auch in den Zahnbelägen selbst - als Stoffwechselprodukt der im Belag steckenden Mikroorganismen.

Zum anderen sind Zahnpflegekaugummis - so wie andere Zahnpflegeprodukte auch - gezielt mit zahnkräftigenden Mineralien angereichert. Dazu zählen insbesondere Kalzium und Fluor. Durch das kontinuierliche Kauen werden diese im Speichel gelöst - und umspülen mit ihm die Zähne. Tatsächlich haben Untersuchungen ergeben, dass sich dadurch der Mineralgehalt des Speichels erhöht. Und für eine Remineralisierung der Zähne ist vor allem die Menge des im Speichel gelösten Kalziums und Fluors entscheidend - und nicht der entsprechende Gehalt in der Nahrung.

Zahnpflege: Worauf es auf jeden Fall ankommt

Das Fazit lautet also: Die genannten Kaugummis können tatsächlich eine unterstützende Wirkung haben. Die Zahnpflege an sich ersetzen sie jedoch in keinem Fall. Nur wo Zahnbeläge und -plaque zuverlässig entfernt werden, haben Kariesbakterien auf Dauer keine Chance. Am regelmäßigen Zähneputzen führt kein Weg vorbei. Besondere Aufmerksamkeit sollten Sie hierbei nicht zuletzt den Zahnzwischenräumen zukommen lassen. Für eine effektive Reinigung sind Sie dort auf Zahnseide beziehungsweise Interdentalbürsten angewiesen.

Außerdem gilt: Kaugummikauen ist nicht der einzige Faktor, der den Speichelfluss in Gang bringt - beziehungsweise hält. Entscheidend ist insbesondere regelmäßiges Trinken. Denn in einem ausgetrockneten Mund kann der Speichel die Zähne kaum "umspülen". Nur wenn der Körper über ausreichend Flüssigkeitsreserven verfügt, läuft die Speichelproduktion auf vollen Touren.