: Heuschnupfen: Was dahinter steckt, was hilft

Verstopfte Nase und juckende Augen: Jeder fünfte Deutsche ist von einer Pollenallergie, umgangssprachlich Heuschnupfen genannt, betroffen. Da macht es Sinn, den Pollenflug im Blick zu behalten und Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Nach den kalten Winterwochen sehnen wir den Frühling herbei. Doch die steigenden Temperaturen haben für viele auch einen unangenehmen Nebeneffekt. Mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen verteilen Frühblüher ihre Pollen in der Luft und läuten damit die Heuschnupfen-Saison ein.

Allergische Reaktion

Das, was wir umgangssprachlich als Heuschnupfen bezeichnen, ist aus medizinischer Sicht eine allergische Reaktion. Unser Immunsystem reagiert mit Abwehrmaßnahmen auf eigentlich harmlose Substanzen. Konkret handelt es sich um Pflanzenpollen, die unser Organismus für gefährliche Eindringlinge hält und entsprechend bekämpft. Solche Pollen können sich zwar auch im Heu – also im getrockneten Gras – finden. Ein Großteil der Pollenallergien wird jedoch von anderen Pflanzen ausgelöst. Die umgangssprachliche Bezeichnung ist daher streng genommen irreführend.

So beginnt die Heuschnupfensaison typischerweise auch schon unmittelbar mit den ersten wärmeren Tagen im Frühjahr. Dann werden nämlich die sogenannten Frühblüher aktiv, zu denen Hasel und Erle zählen. Im April machen sich dann auch Birken bemerkbar, die als besonders aggressiv gelten. Die Hauptblütezeit der Gräser tritt hingegen erst Ende Mai bis Mitte Juli ein.

Was bei einer allergischen Reaktion im Körper passiert, ist mittlerweile gut erforscht. Aber was letztlich der Grund für die Fehlsteuerung des Immunsystems ist, bleibt weiterhin rätselhaft. Vermutet wird, dass es einen Zusammenhang zwischen übermäßiger Hygiene und einer dadurch verursachten Unterforderung der Körperabwehr gibt. So weiß man, dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, im späteren Leben deutlich seltener eine Pollenallergie entwickeln. Ein ähnlicher Effekt lässt sich auch bei Kindergarten-Kindern beobachten. Durch die unmittelbare Nähe zu anderen Kindern sind sie zwangsläufig einer deutlich höheren Zahl von Krankheitserregern ausgesetzt und das reduziert offensichtlich die Wahrscheinlichkeit für eine Allergie.

Besonders ärgerlich für Allergiegeplagte: Unser Immunsystem verfügt über ein wirkungsvolles Gedächtnis. Wurde eine bestimmte Molekülstruktur einmal als gefährlich eingestuft, wird diese auch bei erneutem Kontakt sofort bekämpft. Diese wichtige Funktion macht es möglich, dass wir Immunität gegen zahlreiche Krankheitserreger entwickeln. Gleichzeitig bewirkt sie, dass gleiche Pollen Jahr für Jahr aufs Neue eine allergische Reaktion auslösen.

Hyposensibilisierung: Die Allergie "vergessen"

An diesem „Gedächtnis“ setzt die Hyposensibilisierung an. Der Körper wird dabei gezielt mit dem Allergen konfrontiert – allerdings in stark verdünnter Dosis. Nach und nach wird die Konzentration erhöht, mit dem Ziel, das Immunsystem so an den Stoff zu gewöhnen. Ziel ist gewissermaßen, dass es „vergisst“, dass es die Substanz für gefährlich hält.

Konkret wird die Substanz dazu über einen längeren Zeitraum wöchentlich unter die Haut gespritzt. Je nach Allergie kann die Behandlungsdauer drei Jahre oder länger dauern. Diese aufwändige Methode ist nach derzeitigem Forschungsstand die einzige, um eine Allergie dauerhaft zu therapieren. Sie kommt insbesondere bei schweren Allergien zum Einsatz. Doch nicht in jedem Fall führt die Hyposensibilisierung zum Erfolg.

Ansonsten bleibt als Behandlungsmethode nur, die Überreaktion des Immunsystems bei einer konkreten allergischen Reaktion zu bremsen. Der Arzt kann dazu speziell für Pollenallergiker entwickelte Medikamente verschreiben – von Augentropfen über Nasensprays für die lokale Behandlung bis hin zu Tabletten, die auf den ganzen Körper wirken. In den meisten Fällen führen diese Medikamente zu einer ausreichenden Linderung der Beschwerden.

Den Pollen aus dem Weg gehen

In jedem Fall macht es Sinn, mit Hilfe eines Tests herauszufinden, welche Pollen konkret den jeweiligen Heuschnupfen auslösen. So kann man den jeweiligen Allergenen immerhin bewusst aus dem Weg gehen – oder sie, wenn sie im eigenen Garten blühen, auch entfernen.

Mit konkreten Verhaltensänderungen lässt sich gerade auch in der Hochsaison der jeweiligen Pollenblüte der Kontakt meiden. Ist der Pollenflug sehr stark, verzichtet man besser auf Freizeitaktivitäten draußen. Straßenkleidung sollte man außerhalb des Schlafzimmers ablegen – und sich vor dem Zubettgehen die Haare waschen. Tägliches Staubsaugen hilft, die Pollenbelastung in der Wohnung niedrig zu halten. Außerdem wirkt ein im Raum aufgehängtes nasses Handtuch wie ein Pollenfänger. Generell macht es für Pollenallergiker Sinn, spezielle Pollenschutzgitter an den Fenstern anzubringen.