: Plädoyer für mehr Stille

Viele Menschen empfinden ihren Alltag oftmals als hektisch – und wünschen sich mehr Momente der Ruhe. Tatsächlich kann ein bewusstes Innehalten mit einigen Augenblicken der Stille am Tag sehr wohltuend sein.

Für viele Menschen gehören die guten Vorsätze zum Jahreswechsel einfach dazu. Und ganz gleich, ob Abnehmen, Rauchstopp, mehr Bewegung oder eine gesündere Ernährung: Es schadet auf keinen Fall, sich darüber Gedanken zu machen, wie man sein Leben positiv beeinflussen kann. Erstaunlicherweise zählt der Wunsch nach mehr Stille jedoch fast nie zu der Liste guter Vorsätze. Dabei klagen sehr viele Menschen hierzulande darüber, dass ihr Alltag häufig viel zu hektisch und laut ist. Sie finden, dass für ein bewusstes Innehalten und Momente der Ruhe sich viel zu wenige Gelegenheiten bieten. 

In der Ruhe liegt die Kraft

Gerade ständige akustische Reize können Hektik und Stress begünstigen oder verstärken. Denn ganz gleich, ob Telefonklingeln, ein lautstarkes Gespräch auf dem Flur oder nebenbei wahrgenommene Nachrichten in Funk und Fernsehen: Unser Gehörsinn kann diese Signale nicht einfach ausblenden. Anders als die Augen haben die Ohren keine Lider, mit denen man sich vor diesen Reizen abschirmen könnte. Die Folge: Selbst wenn wir Geräusche aller Art nicht bewusst wahrnehmen, wirken sie dennoch fortlaufend unbewusst auf uns ein – und können dazu beitragen, unseren inneren „Stresspegel“ zu steigern.

Aus demselben Grund ist auch eine ständige Lärmbelastung problematisch. Menschen, die in einer Einflugschneise oder an einer vielbefahrenen Straße leben, sind besonders davon betroffen. Der Körper reagiert darauf unbewusst mit der Ausschüttung von Stresshormonen. Denn evolutionsbedingt sind Geräusche immer auch ein Hinweis auf eine mögliche Gefahr. Die Folge: Der Blutdruck steigt und die Muskeln spannen sich an, um besser fliehen oder kämpfen zu können.

Selbstverständlich ist der Lärm einer Autobahn in ihren negativen Folgen nicht mit all unseren Alltagsgeräuschen wie Telefonklingeln oder ähnlichem zu vergleichen. Gleichwohl haben die Ton-Signale eines Handys durchaus Einfluss auf das vegetative Nervensystem, das unter anderem den Blutdruck kontrolliert. Und jeder, der schon einmal unter großer Anspannung gestanden hat, weiß, dass ein harmloser Telefonanruf ein erheblicher Stressfaktor sein kann.

„Inseln der Stille“ schaffen

Da wir diese Alltagsgeräusche gerade im Berufsleben nicht einfach abschalten können, ist es umso wichtiger, sich im Privatleben „Inseln der Stille“ zu schaffen. Denn anders als bei der Arbeit haben Sie zu Hause direkten Einfluss darauf, welche Geräusche auf Sie einwirken:

Das können Sie konkret tun:

Elektronische Medien ausschließlich bewusst konsumieren

Zum Frühstück läuft das Radio und das Internet ist auch schon an. Dann, sobald Sie den Zündschlüssel im Auto umdrehen, startet nicht nur der Motor, sondern auch die Lieblings-CD. Und zum Abendessen setzen Sie sich vor den Fernseher. Aber da Sie ohnehin mit mehreren Dingen gleichzeitig beschäftigt sind, hören Sie gar nicht richtig zu, weil Sie auch noch stets das Smartphone im Blick behalten. Dann geht es Ihnen wie vielen anderen auch. Denn längst haben wir uns an eine ständige akustische Untermalung unseres Alltags durch allerlei Medien gewöhnt. Aber mit vollem Bewusstsein nehmen wir das, was da auf uns einströmt, eher selten war.

Warum eigentlich? Wenn man nicht wirklich hinhört, kann man es doch auch bleiben lassen. Probieren Sie es einfach mal aus: Nehmen Sie sich vor, ab sofort Radio, Fernsehenund Co. nur noch gezielt einzuschalten – und dann, wenn Sie eigentlich mit anderen Dingen beschäftigt sind, auch wieder auszuschalten. So können Sie nicht nur die Ruhe nach dem Abschalten genießen, sondern sparen sich gewissermaßen Ihre Aufmerksamkeit und Aufnahmebereitschaft für die Sendungen und Musikstücke auf, an denen Sie wirklich interessiert sind.

Wenn Sie nicht alleine leben: Vereinbaren Sie ganz bestimmte Tageszeiten, an denen elektronische Medien ausgeschaltet bleiben – zum Beispiel während des Frühstücks oder des Abendessens. Dann bleibt auch mehr Raum, um sich in Ruhe zu unterhalten.

Telefon und Handy auch mal ausschalten

Nicht nur im Kino und im Theater gilt: Es lohnt sich, gelegentlich auch einmal nicht erreichbar zu sein – oder das Handy auf Stumm zu schalten. Denn mit jeder Textnachricht ist auch ein akustisches Signal verbunden, das unsere Aufmerksamkeit fordert. Zwar handelt es sich nur um ein kurzes Klingeln. Aber sobald wir es registrieren, sind wir von dem abgelenkt, worauf wir uns eigentlich konzentrieren wollten und sollten.

Spezielle Kopfhörer zum Abschirmen von Geräuschen

Mehr Stille können Sie auch durch moderne Technik in Ihr Leben bringen – wenn Sie beispielsweise regelmäßig mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind. Denn bestimmte Kopfhörer sind in der Lage, aktiv die Umgebungsgeräusche zu neutralisieren. Dadurch ist es nicht nur möglich, die Lieblingsmusik besser zu genießen – sondern auch den Lärmpegel um sich herum auszublenden. Das funktioniert sogar dann, wenn Sie gar keine Musik hören.