: Die fünf größten Erkältungsmythen

Um das Thema Erkältung - und wie man diese auskuriert - ranken sich diverse Mythen. Allerdings sind Antibiotika, Vitamin C und ein warmes Bier längst nicht so effektiv, wie oft behauptet wird. Zeit also, diese Erkältungsmythen aufzudecken.

Im Herbst haben wieder Schnupfen, Husten & Co. Saison. Und es ist verständlich, dass man die Erkältung so schnell wie möglich loswerden möchte - oder mit dem einen oder anderen Trick hofft, davon verschont zu bleiben. Doch vieles von dem, was angeblich gegen Erkältungen helfen soll, entbehrt jeglicher wissenschaftlicher Grundlage - oder beruht auf einem Missverständnis.

Lesen Sie, welche die fünf größten Erkältungsmythen sind:

Warmes Bier: mehr Schaden als nutzen

Das warme Bier wird immer wieder als Hausmittel genannt, um einen Schnupfen möglichst schnell loszuwerden. Zwar ist es richtig, dass der im Bier enthaltene Hopfen wie ein Schlafmittel wirken kann und einen entspannenden Effekt hat. Allerdings hat Bier auch einen großen Nachteil: Es enthält Alkohol - und dieser schwächt die Körperabwehr und reizt die Schleimhäute. Der Schaden ist größer als der mögliche Nutzen.

Wenn Sie schon ein warmes Getränk zu sich nehmen wollen, greifen Sie lieber zur heißen Milch mit Honig. Die lindert nämlich durchaus typische Beschwerden wie Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. Oder greifen Sie zu einem Erkältungstee. Die ätherischen Öle der darin enthaltenen Kräuter haben einen wohltuenden Effekt auf die lädierten Schleimhäute.

Ausschwitzen in der Sauna? Bloß nicht!

Saunieren bringt den Kreislauf ganz erheblich in Schwung - und das ist bei gesunden Menschen durchaus erstrebenswert. Nicht jedoch wenn man durch eine Erkältung geschwächt ist. Dann sorgt der Hitzereiz in der Sauna für eine zusätzliche und erhebliche Belastung des angeschlagenen Körpers. Das Immunsystem wird geschwächt - in etwa so, als würden Sie im kranken Zustand Sport treiben. Doch wer sich im kranken Zustand überanstrengt, riskiert unter Umständen eine Herzmuskelentzündung.

Wenn Sie Ihre Erkältung "ausschwitzen" wollen, dann tun Sie das im Bett. Allerdings gilt aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht: Ausschwitzen kann man eine Erkältung sowieso nicht. Die krankmachenden Viren werden mit dem Schweiß nicht einfach weggespült. Vielmehr sorgt die Bettwärme für eine bessere Durchblutung der Schleimhäute, so dass das Immunsystem seine Arbeit besser erledigen kann.

Grippeimpfung: kein Schutz vor Schnupfen

Es gibt viele Argumente für eine Impfung gegen die Influenza. Dass man damit auch vor gewöhnlichen Erkältungskrankheiten besser geschützt ist, ist jedoch eine Mär. Denn wie bei jeder anderen Schutzimpfung kann der Impfstoff nur gegen ganz konkrete Krankheitserreger einen Schutz aufbauen. Und die Viren, die für die "richtige" Grippe verantwortlich sind, unterscheiden sich in Aufbau und Komplexität deutlich von gewöhnlichen Erkältungsviren. Das ist im Übrigen auch der Grund, weswegen die Influenza in der Regel für einen weitaus schwereren Krankheitsverlauf sorgt als ein so genannter grippaler Infekt. Bei letzterem handelt es sich um eine ganz andere und deutlich harmlosere Erkrankung als bei der echten Grippe.

Vitamin C: Wirkung eher überschätzt

Keine Frage: Vitamine sind für uns außerordentlich wichtig. Und bei Erkrankungen kann es durchaus zu einem erhöhten Vitaminbedarf kommen. Einen vorbeugenden Effekt durch eine regelmäßige zusätzliche Vitamin-C-Zufuhr konnte jedoch wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden. Wenn überhaupt, dann kann im Krankheitsfall eine erhöhte Vitaminzufuhr dazu beitragen, dass die Erkältung etwas milder verläuft. Und dieser Effekt lässt sich gut mit reichlich Obst und Gemüse erzielen, so dass Vitaminpräparate keinen echten Vorteil bringen.

Antibiotika: biologische Grundlagen nicht verstanden

Nach wie vor stößt man immer wieder auf den Irrglauben, eine Erkältung ließe sich mit Antibiotika behandeln. Allerdings liegt hier ein grundsätzliches Missverständnis vor. Denn Antibiotika sind nur gegen Bakterien wirksam - und helfen somit nur bei bakteriell ausgelösten Infektionen. Für Erkältungen - und auch die Grippe - sind jedoch ausschließlich Viren verantwortlich. Tatsächlich unterscheiden sich Viren und Bakterien in vielfältiger Weise. So sind Viren bis zu hundertmal kleiner als Bakterien. Und Viren benötigen eine Wirtszelle, die sie befallen müssen, um sich vermehren zu können. Bei Bakterien funktioniert dies durch Zellteilung. Die Unterschiede sind so fundamental, dass auch Medikamente und Therapien zur Bekämpfung der jeweiligen Erreger grundsätzlich verschieden "funktionieren" müssen.

Erkältungserreger lassen sich daher in keinem Fall mit Antibiotika bekämpfen. Wenn überhaupt der Einsatz von Antibiotika im Zusammenhang mit einem grippalen Infekt Sinn macht, dann nur deswegen, weil sich zusätzlich zu den Viren schädliche Bakterien im Erkältungsschleim eingenistet haben - und sich vermehren. Früher mag es üblich gewesen sein, Antibiotika rein vorbeugend anzuwenden. Inzwischen stehen den Ärzten jedoch zuverlässige Schnelltests zur Verfügung, mit denen sich eine bakterielle Infektion nachweisen lässt, so dass Antibiotika weitaus zielgerichteter und dadurch sparsamer verwendet werden können.