: Cranberry: natürliches Antibiotikum?

Immer wieder liest man, Cranberrys seien gut bei Blasenentzündungen und würden wie ein natürliches Antibiotikum wirken. Allerdings ist diese Heilkraft nicht eindeutig erwiesen. Dennoch lohnt es sich, regelmäßig zu den Beeren zu greifen.

Cranberry-Extrakt, Cranberry-Kapseln, Cranberry-Saft und natürlich auch als getrocknete Beerenfrucht: Die so genannte Großfrüchtige Moosbeere gibt es in allen erdenklichen Formen und Zubereitungen – und zwar nicht nur im gewöhnlichen Lebensmittelgeschäft, sondern auch im Drogeriemarkt und in der Apotheke.Schließlich gilt die Frucht, die vor allem in Nordamerika großflächig angebaut wird, als natürliches Antibiotikum. Gerade bei unangenehmen und schmerzhaften Blasenentzündungen soll sie helfen. Doch was ist dran? Und wieso hat gerade die Beere aus Nordamerika solch eine Wirkung – und nicht etwa die Verwandten aus der Heimat, also Heidelbeere und Preiselbeere?

Widersprüchliche Forschungslage

Verschiedene klinische Studien rund um die Jahrtausendwende konnten zeigen, dass der Saft der Beere in der Lage ist, Harnwegsinfektionen zu verhindern. Doch eine Metastudie der Cochrane Collaboration – ein weltweiter Zusammenschluss von Wissenschaftlern zur Überprüfung der Wirksamkeit von Therapien – relativierte diese Ergebnisse im Jahr 2008: Bei dieser Studie zeigt sich: Der präventive Effekt der Cranberrys gilt nur für junge Frauen. Und im Jahr 2011 kam eine Untersuchung der Universität von Michigan zum Ergebnis: Cranberry-Saft wirkt genauso gut oder schlecht wie ein Placebo. Die Forschungslage ist also sehr widersprüchlich.Dennoch muss es irgendeine Wirkung geben: Das konnten Wissenschaftler vom Worcester Polytechnic Institut im US-Bundesstaat Massachusetts im Jahr 2006 ganz praktisch zeigen. Sie beobachteten unter dem Mikroskop, was passiert, wenn man Bakterien vom Typ Escherichia coli dem Saft der Großfrüchtigen Moosbeere aussetzt. Diese Bakterien, die insbesondere verantwortlich für Harnwegsinfektionen sind, veränderten sich dabei ganz offenkundig: Sind die Bakterien normalerweise stäbchenförmig, nahmen sie unter dem Einfluss der Beerenextrakte eine kugelartige Form an. Dieser Effekt, sind sich die Wissenschaftler sicher, erschwert es den Bakterien erheblich, sich in die Schleimhäute der Organe einzunisten.

Bakterien werden nicht abgetötet

Eine bestimmte Substanz aus den Beeren ist somit in der Lage, das infektiöse Potenzial der Bakterien zu drosseln. Abtöten kann der Cranberry-Saft die Krankheitserreger jedoch nicht. Das erklärt, wieso sich Cranberrys in den verschiedenen Studien bestenfalls zur Vorbeugung als effektiv erwiesen haben. Gegen eine Infektion, bei der sich die Bakterien bereits eingenistet haben, können die Früchte alleine nicht genug ausrichten. Dennoch kann es durchaus sinnvoll sein, bei einer Infektion der Harnwege auch zu Cranberrys und seinen Extrakten zu greifen. Denn wie bei jeder Infektion gibt es auch bei Blasenentzündungen zahlreiche Erreger, die sich noch nicht eingenistet haben und somit frei herumschwirren. Werden diese Bakterien durch die Cranberry-Inhaltstoffe – zumindest vorübergehend – gedrosselt, kann dies der Körperabwehr einen entscheidenden Vorteil verschaffen. Darüber hinaus liefern Cranberrys dem Körper wertvolle Substanzen – darunter Vitamin C und so genannte sekundäre Pflanzenstoffe, insbesondere Flavonoide und Polysaccharide. Diese wirken entzündungshemmend bzw. regen das Immunsystem an. Der Anteil dieser Substanzen ist bei den Cranberrys sehr hoch. Auch deswegen ist die Beere möglicherweise effektiver als viele andere Früchte.In jedem Fall gilt jedoch: Bei einer schmerzhaften und länger anhaltenden Harnwegsinfektion sollten Sie immer den Arzt aufsuchen. Nur er kann entscheiden, ob eine herkömmliche Antibiotika-Therapie notwendig ist – oder ob es ausreicht, auf die Heilkräfte der Natur zu setzen.

Schmackhafter und gesunder Snack

Die wachsende Beliebtheit der Cranberrys lässt sich jedoch nicht nur damit erklären, dass den Beeren immer wieder eine medizinische Wirkung zugesprochen wird. Denn egal ob im Müsli, in Keksen und Muffins oder einfach so: Die Früchte der Moosbeere haben einen einzigartigen und ausgesprochen charakteristischen Geschmack. Süß und leicht säuerlich zugleich. Sie lösen damit ein ähnliches Geschmacksempfinden aus wie die populären Weingummis.Allerdings gilt bei den Beeren dasselbe wie bei allen anderen Früchten und säurehaltigen Snacks: Die Fruchtsäure kann den Zahnschmelz aufweichen. Nach dem Verzehr der Beeren sollte man daher mindestens eine halbe Stunde warten, bevor man die Zähne putzt, damit der Zahnschmelz nicht unnötig beschädigt wird.