: Bloß ein Mythos? Abhärten für den Winter

Immer wieder hört man: Wer für den Winter abgehärtet ist, der ist bei nasskalten Temperaturen nicht so anfällig für Erkältungen und andere Infektionskrankheiten. Doch stimmt das – und wenn ja, wie härtet man sich am besten ab?

Joggen in kurzer Hose bei frostigen Temperaturen, Eisschwimmen oder doch „nur“ kalt-warme Wechselduschen – zum Thema Abhärten für den Winter kursieren unterschiedlichste Vorstellungen. Doch nicht jede Idee, wie man sich und sein Immunsystem auf die Erkältungssaison vorbereitet, ist auch eine gute Idee. 

Vermeintliche Abhärtung, die schadet

Grundsätzlich ist es zwar sinnvoll, den Organismus gezielten Kältereizen auszusetzen, um die Körperabwehr zu trainieren. Extremmaßnahmen können allerdings durchaus kontraproduktiv sein. Wer aus dem Haus geht, egal ob zum Joggen oder für einen Spaziergang, sollte sich bei kalten Temperaturen so warm anziehen, dass er bzw. sie nicht frieren muss. Denn sonst droht eine Drosselung der Durchblutung von Muskeln, Sehnen, Gelenken und Bändern. Der Organismus schützt sich so instinktiv vor einer gefährlichen Auskühlung des gesamten Körpers. Die Folge ist jedoch eine reduzierte Nährstoffzufuhr in den belasteten Teilen des Bewegungsapparats. Es versteht sich von selbst, dass sich dadurch Verletzungsgefahr und Verschleiß erhöhen.

Jogging in kurzen Hosen bei frostigen Temperaturen ist somit nicht empfehlenswert. Stattdessen heißt es: Greifen Sie lieber zusätzlich zur langen Unterhose, wenn es draußen kalt wird. Und nach dem Training gilt: Stellen Sie sicher, dass Sie möglichst schnell die verschwitzten Klamotten gegen trockene Kleidung tauschen. Ansonsten ist das Risiko relativ hoch, sich zu erkälten.

Kneipp-Therapie für zu Hause

Wenn Sie Ihren Körper und die Körperabwehr gezielt auf die kalte Jahreszeit vorbereiten möchten, sollten Sie dies lieber in den eigenen vier Wänden tun – zum Beispiel unter der Dusche. Denn bei warm-kalten Wechselduschen nach dem Muster der Kneippschen Therapie ist sich die Wissenschaft mittlerweile einig: Diese Maßnahmen helfen in der Tat, die Häufigkeit von Schnupfen, Husten und Heiserkeit zu reduzieren.

Warum das so ist, ist zwar noch nicht in allen Details geklärt. Vermutlich kommt es dabei auch gar nicht zu einem direkten Training des Immunsystems. Vielmehr bewirken die kalten Wassergüsse eine Verbesserung der Thermoregulation der Haut. Indirekt stärkt dies auch die Durchblutung der Nasen- und Rachenschleimhaut. Dadurch gelangen mehr Abwehrzellen des Immunsystem an genau die Orte, wo sich typischerweise Erkältungsviren einnisten. 

Effektiver Saunabesuch

Einige Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass auch beim Saunieren genau dieser Mechanismus gestärkt wird. Beim Saunagang wäre somit also weniger das Schwitzen an sich gesundheitsfördernd, als vielmehr die kalte Dusche danach bzw. der wechselnde Temperaturreiz.

Für einen optimalen Effekt empfehlen Mediziner jedoch, es zum Ende nicht beim Kältereiz zu belassen. Vielmehr sollte man immer nach dem Muster warm-kalt-warm verfahren. Der letzte Wärmereiz kann dabei durchaus auch ein flauschiger Bademantel oder das warme Bett sein. Sie müssen also den Saunagang nicht mit einer heißen Dusche beenden.

Tatsächlich gilt gerade beim Thema Duschen: Nachdem man sich unter warmem Wasser gewaschen hat, lohnt es sich, die Temperatur zu reduzieren, um die Thermoregulation der Haut zu verbessern. Dabei müssen Sie beim ersten Mal die Temperatur nicht auf „eiskalt“ stellen. Vielmehr ist es sinnvoll, den Körper Tag für Tag an den Kältereiz zu gewöhnen. Wichtig, wenn Sie die Temperatur des Wasserstrahls reduzieren: Lassen Sie das kalte Wasser immer zuerst über Arme und Beine laufen – und erst im Anschluss über den Rumpf. 

Moderater Sport: positiver Effekt auf die Körperabwehr

Doch nicht nur mit regelmäßigen kalten Duschen kann man sich für den Winter abhärten. Hilfreich ist zudem regelmäßiger Sport. Denn auch ein moderates Sportprogramm aktiviert die Abwehrzellen des Körpers. Wichtig ist dabei allerdings, sich nicht zu überanstrengen. Denn ist die körperliche Belastung zu groß, verpufft dieser Effekt.

Selbstverständlich kann es trotz dieser „Abhärtung“ zu einer Erkältung oder einem grippalen Infekt kommen. Dann gilt: Schonen Sie sich – und unterbrechen Sie Ihre Abhärtungsmaßnahmen. Ihr Körper ist jetzt vollauf damit ausgelastet, die Krankheitserreger zu bekämpfen. Zusätzliche körperliche Anstrengung und Temperaturreize verzögern die Aufräumarbeit Ihres Immunsystems. Dann besteht die Gefahr, die Erkrankung zu verschleppen.