: Sport gegen schlechte Laune

Alle, die regelmäßig trainieren, haben schon die Erfahrung gemacht: Nach dem Training fühlt man sich meist glücklicher und befreiter. Und Studien deuten darauf hin, dass Sport sogar beim Kampf gegen depressive Verstimmungen helfen kann.

Egal ob nach einem Dauerlauf, einem Fußballspiel oder einer Trainingseinheit im Fitness-Studio: Wer Sport treibt, der kennt das gute Gefühl danach: Auch wenn die körperliche Anstrengung deutlich zu spüren ist und möglicherweise sogar Muskeln schmerzen. Die Laune bzw. die Stimmung ist nach dem Training deutlich aufgehellt.

Biochemische Reaktion im Körper

Doch wie kommt das zu Stande? Was löst diesen Stimmungsumschwung genau aus? Diverse Untersuchungen zeigen: Es handelt sich hierbei nicht nur um ein subjektives Gefühl, sondern um eine objektiv messbare Tatsache. Denn tatsächlich löst die Bewegung diverse Reaktionen im Organismus aus. So schüttet der Körper Botenstoffe aus, darunter Endorphine, Serotonin und Dopamin. Während Endorphine vor allem einen schmerzlindernden Effekt haben und uns so die Belastung leichter ertragen lassen, sind Serotonin und Dopamin auch als Glückshormone bekannt. Gleichzeitig wird durch Sport die Ausschüttung von Stresshormonen – insbesondere dem Kortisol – reduziert.

Sport oder andere Formen der regelmäßigen Bewegung sind somit nicht nur für das körperliche Wohlbefinden entscheidend, sondern haben auch eine große Bedeutung für das seelische Gleichgewicht. Wer regelmäßig trainiert, stärkt somit nicht nur seinen Körper, sondern gleichzeitig auch seine Seele. Und einige Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass regelmäßiges sportliches Training ein wirksames Mittel gegen depressive

Therapeutische Effekte

Tatsächlich konnte genau dies eine Untersuchung der Medical School Hamburg um Dr. Henning Budde, bei der zahlreiche bereits durchgeführte Studien analysiert und bewertet wurden, bestätigen. Demnach hat Sport als Therapieform bei Depressionen einen moderaten Nutzen, bei Angststörungen jedoch eher nur einen geringen. Gleichzeitig konnte die Studie jedoch zeigen: In vielen Fällen ist der Therapie-Effekt sogar vergleichbar mit einer medikamentösen Therapie – der Effekt somit vergleichbar mit Antidepressiva.

Dazu ist nicht einmal ein besonders intensives Training erforderlich – im Gegenteil: Wie eine Studie des American College of Sports Medicine ergab, wirkt dieser therapeutische Effekt bereits bei einem moderaten Ausdauertraining. Im konkreten Fall trainierten die Studienteilnehmer mit rund 60 Prozent der so genannten aeroben Kapazität. Zum Verständnis: Erst bei einer Trainingsintensität über 100 Prozent unserer individuellen aeroben Kapazität geht uns – vereinfacht gesagt – die Puste aus.

Allerdings gilt auch: Eine ernste Depression lässt sich nicht einfach mal eben mit ein paar Dauerläufen wegtherapieren – zumal es gerade bei diesem Krankheitsbild zu den typischen Symptomen gehört, dass Betroffene sich verschließen und zurückziehen. Depressionen gehen mit Antriebslosigkeit einher – und entsprechend schwierig ist es, Motivation für sportliche Aktivität aufzubauen. Viele Wissenschaftler sehen Sport daher eher als effektiven, aber eben längst nicht einzigen Teil einer umfassenden therapeutischen Behandlung.

Individuelles Gute-Laune-Programm

Wer jedoch nicht ernsthaft psychisch erkrankt ist, sondern einfach „nur“ etwas frustriert oder einfach einmal nicht ganz so gut gelaunt ist, der kann mit einem Bewegungsprogramm tatsächlich ganz gezielt etwas für bessere Stimmung tun. Schließlich bewirkt Sport, dass sich Glückshormone im Körper ausbreiten.

Wer regelmäßig aktiv ist, kann somit sogar vorbeugend etwas gegen schlechte Stimmung tun. Die Forscher des American College of Sports Medicine raten hierfür ganz gezielt dazu, die Anstrengung eher moderat zu halten, dafür jedoch häufiger zu trainieren. Am besten dafür geeignet sind Ausdauersportarten wie Joggen, Radfahren oder Schwimmen. Denn diese können Sie völlig individuell an Ihre Bedürfnisse anpassen – sowohl was den Trainingszeitpunkt als auch die -intensität angeht.

Und im Gegensatz zu Mannschaftssportarten besteht hierbei auch nicht das Risiko, dass Sie sich darüber ärgern müssen, wenn Ihre Mannschaft verloren hat. Auch das kann bekanntermaßen ja dem ein oder anderen die Freude am Sport vergällen.