: So viel Schlaf brauchen Kinder

Kinder brauchen weitaus mehr Schlaf als Erwachsene. Allerdings unterscheidet sich der Schlafrhythmus der Kinder zum Teil ganz erheblich von dem der Eltern. Damit beide ihr Schlafbedürfnis befriedigen können, gilt es ein paar Dinge zu beachten.

Viele Eltern von Neugeborenen leiden unter Übermüdung. Streng genommen ist das eigentlich paradox. Denn gerade in den ersten Wochen nach der Entbindung verschlafen Babys die meiste Zeit des Tages. Und auch noch im Kindergartenalter ist das Schlafbedürfnis der Kinder weitaus größer als das der Erwachsenen.

Hauptgrund für den Schlafmangel der Eltern ist, dass sich der kindliche Schlafrhythmus zunächst ganz erheblich von dem Erwachsener unterscheidet. Immer wieder sieht man sich mit der Situation konfrontiert, dass der Nachwuchs die Nacht zum Tage macht – und sich zu später Stunde oder am frühen Morgen lautstark meldet. Zwar gleichen sich die Rhythmen mit zunehmendem Alter an. Aber dann kommt es oftmals dazu, dass Kinder abends gar nicht zur Ruhe kommen wollen. Denn tatsächlich nimmt das Schlafbedürfnis mit dem Alter ab.

Neugeborene: 16 bis 19 Stunden

Bei Neugeborenen ist es normal, dass sie pro Tag 16 bis 19 Stunden verschlafen. Und es ist normal, dass sie alle zwei bis drei Stunden wach werden, um zu essen beziehungsweise zu trinken. Dieser Schlafrhythmus ist schon im Mutterleib vorhanden – und wird zunächst übernommen. An eine entspannte Nachtruhe ist so natürlich nicht zu denken. Erst mit der Zeit kommt es zu einer Angleichung an den Tag-Nacht-Rhythmus.

Tipp: Eltern sollten auch tagsüber Zeit für Ruhepausen einplanen – und jede Gelegenheit für ein kurzes Schläfchen nutzen.

Drei Monate: 13 bis 15 Stunden

Schon nach wenigen Monaten werden die Wachphasen am Tag länger, die in der Nacht kürzer. Und der Schlafbedarf sinkt auf 13 bis 15 Stunden. Da die Kinder jetzt nach wie vor etwa ein Drittel am Tag schlafen, ist an eine durchgehende Nachtruhe immer noch nicht realistisch. Es ist normal, dass Babys in diesem Alter zweimal nachts aufwachen. Dabei geht es nicht nur um die elementaren Bedürfnisse wie Essen und Trinken, die natürlich befriedigt werden müssen. Die Kinder verlangen jetzt auch immer wieder nach Aufmerksamkeit – und wollen spielen.

Tipp: Darauf sollte man möglichst nicht eingehen. Je eher die Kinder merken, dass sie in der Nacht nichts versäumen, „lernen“ sie, dass die dunkle Phase zum Schlafen da ist.

Ab sechs Monate bis ein Jahr: 12 bis 14 Stunden

Nach wie vor ist Aufwachen in der Nacht normal – genauso wie eine längere Ruhephase am Tag. Glücklicherweise kommt es nun immer häufiger vor, dass das Aufwachen maximal einmal pro Nacht geschieht.

Tipp: Sie müssen nun nicht mehr bei der allerersten Lautäußerung sofort aufstehen und Ihrem Kind Zuneigung schenken. Denn gelegentlich finden die Kinder jetzt schon wieder alleine zurück in den Schlaf. Geschieht dies nicht, müssen Sie das Kind natürlich beruhigen.

Ein bis drei Jahre alt: zehn bis zwölf Stunden

Jetzt gewinnen Gute-Nacht-Rituale besondere Bedeutung. Besonders geeignet ist hierbei die Gutenachtgeschichte. Aber auch das Zähneputzen, das Umziehen, das Zudecken und das gemütliche Einkuscheln im Bett zählen dazu.

Tipp: Dieses Ritual sollte mindestens 15 Minuten dauern. Dann haben die Kinder ausreichend Zeit, „herunterzufahren“. Dauert es jedoch länger als eine halbe Stunde, verpufft der Effekt.

Ab drei Jahren: zehn bis zwölf Stunden

Die benötigte Ruhezeit bleibt im Wesentlichen noch gleich. Allerdings gehen die meisten Kinder spätestens jetzt zu einem vollständig getrennten Tag-Wach-Rhythmus über: Der Mittagsschlaf wird also überflüssig. Hält man daran fest, kann das zu Einschlafproblemen am Abend führen.

Hinzu kommt: In diesem Alter entwickelt sich die Phantasie stark, so dass auch Ängste vor Gespenstern und Monstern real sind – ebenso wie Albträume. Nehmen Sie Ängste ernst und machen Sie sich nicht darüber lustig. Vergewissern Sie sich stattdessen gemeinsam davon, dass keine Geister da sind – und spenden Sie Zuneigung und Trost. Wenn Kinder sich gut aufgehoben fühlen, können sie auch beruhigt einschlafen.

Schulkinder: zirka zehn Stunden

Im Grundschulalter liegt das Schlafbedürfnis nach wie vor bei rund zehn Stunden. Gleichzeitig kommt es immer öfter vor, dass Kinder das Ins-Bett-Gehen hinauszögern möchten. Schließlich wollen sie am Familienleben partizipieren. Am Wochenende ist daher längeres Aufbleiben in Ordnung. Unter der Woche gilt jedoch: Das Kind sollte so früh ins Bett gehen, dass es am nächsten Morgen ausgeschlafen aufwacht und munter zur Schule gehen kann.

Von Eulen und Lerchen

Auch schon bei Kindern kann das Schlafbedürfnis individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Manche sind frühmorgens schon aktiv, die sogenannten Lerchen, und andere kommen erst deutlich später in die Gänge, die sogenannten Eulen. Wissenschaftler vermuten, dass das genetisch bedingt ist, so dass es relativ wenig Sinn ergibt, gegen diese individuellen Rhythmen anzukämpfen. Eltern sollten sich daher – so gut es geht – mit den unterschiedlichen Rhythmen arrangieren.

Ähnliches gilt auch für die Länge des Schlafes insgesamt. Hier kann es auch bei gleichaltrigen Kindern große Unterschiede geben. Manche brauchen weniger Schlaf als andere. Grundsätzlich gilt daher: So lange die Kinder am nächsten Morgen ausgeschlafen sind und auch die übrige Entwicklung normal verläuft, gibt es keinen Grund, sich Sorgen zu machen.