: Zecken: Klein, aber gefährlich

Sie sind klein, aber gefährlich: Zecken können der Überträger ernst zu nehmender Infektionskrankheiten sein. Wer ein paar Informationen beachtet, kann sich besser vor ihnen schützen.

Nach einem warmen Winter kommen Zecken im Frühjahr und Sommer besonders häufig vor. Viele Menschen haben Angst vor den kleinen Saugern. Den Stich spürt man allerdings kaum, die Angst gilt vielmehr der Übertragung von Krankheiten.

Anders als Gerüchte behaupten, stürzen sich Zecken nicht von Bäumen. Sie leben in hohem Gras und in Büschen. Beim Vorbeigehen streift man sie ab und hat sie dann oft unbemerkt an den Beinen. Weil Kinder kleiner sind, sitzen sie dort auch an Rumpf und Hals.

Zecken suchen sich eine Stelle auf der Haut, stechen zu und saugen sich voll Blut. Wenn die Zecke mit Krankheitserregern infiziert ist, können sie während des Saugens über den Speichel in das Blut des „Opfers“ übertragen werden. Die häufigsten von Schildzecken (Gemeiner Holzbock) übertragenen Krankheitserreger sind Bakterien – so genannte Borrelien. Seltener übertragen sie ein Virus, das die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) auslöst.

Gefahr erkannt - Gefahr gebannt

Chemische Abwehrzubstanzen können einen gewissen jedoch keinen absoluten Schutz vor Zecken bieten. Bei Ausflügen in die Natur empfiehlt es sich, eng anliegende helle Kleidung, lange Hosen und feste Schuhe zu tragen. Denn auf hellen Farben erkennt man die Zecken leichter und durch die Kleidung haben sie es schwerer, an die Haut zu gelangen. Auf befestigten Wegen ist man sicherer als in hohem Gras, auf Wiesen oder im Unterholz.

Da die meisten Zeckenstiche nicht bemerkt werden, sollte man nach längerem Aufenthalt im Grünen den ganzen Körper nach Zecken absuchen. Schauen Sie bei Kindern besonders gründlich im Nacken und auf dem Kopf. Findet man eine Zecke am Körper, sollte sie so schnell wie möglich entfernt werden. Je länger sie saugt, desto größer ist die Gefahr der Erregerübertragung.

Fassen sie die Zecke mit einer gut schließenden Pinzette möglichst nahe an der Haut und ziehen Sie sie mit einer Drehbewegung heraus. Ein Beträufeln der Zecke mit Öl oder Klebstoff ist nicht sinnvoll, weil sie möglicherweise dann vermehrt Speichel und den Inhalt des Verdauungstraktes in das Blut des gestochenen Menschen presst. So übertragen sich mögliche Krankheitserreger leichter.

Wenn die Zecke komplett entfernt ist, sollte man die Hautstelle mit einem Hautdesinfektionsmittel (beispielsweise Desinfektionsmittel mit 70 Prozent Alkohol oder desinfizierende Seife) betupfen oder besprühen.

Borreliose

Eine der Infektionskrankheiten, die Zecken auf den Menschen übertragen können, ist die Borreliose. Diese Bakterien verursachen jährlich bis zu 100.000 Erkrankungen in Deutschland und kommen viel häufiger vor als das Virus FSME. Im Gegensatz zu FSME können Zecken Borrelien in fast allen Regionen Europas übertragen. In Deutschland geschieht dies temperaturbedingt hauptsächlich Anfang März bis Ende Oktober.

Ein erster Hinweis kann eine Rötung im Bereich des Zeckenstichs sein. Bei einer Erkrankung breitet sie sich aus und führt an anderen Körperstellen zu rötlich-lilafarbenen Flecken oder Schwellungen (so genannte Wanderröte). Sie kann noch 1-16 Wochen nach dem Stich auftreten. In vielen Fällen bemerken die Erkrankten jedoch weder einen Stich noch Veränderungen an der Haut. Auch wenn man sich insgesamt krank und erschöpft fühlt wie bei einer Grippe, besteht der Verdacht auf eine Borrelien- Infektion. Wenn Sie zum Arzt gehen, wird er nach der Vorgeschichte (Zeckenstich) und den Krankheitszeichen fragen und den Verdacht mit Hilfe von Laboruntersuchungen prüfen (z. B. Nachweis von Antikörpern gegen Borrelien im Blut). Ist die Diagnose gesichert, verschreibt der Arzt Ihnen ein spezielles Antibiotikum. Wenn diese Therapie früh genug durchgeführt wird, ist sie meistens erfolgreich.

Bleibt die Erkrankung jedoch zunächst unerkannt oder wird nicht ausreichend behandelt kann sie fortschreiten: Im zweitem Stadium treten dann üblicherweise Entzündungen an Gelenken, Herz und Nervensystem auf. Schließlich gibt es in einem dritten Stadium chronisch verlaufende Gelenk-, Nerven- und Hauterkrankungen.

Auch wenn es sich bei der Borreliose um eine ernst zu nehmende Krankheit handelt - ist nach einem Zeckenstich nicht sofort Panik angebracht. Denn nur etwa bis zu einem fünftel der Zecken sind mit Borrelien infiziert. FSME kommt noch seltener vor.

FSME

Von der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), einer Infektionskrankheit, die Hirn- und Hirnhäute befällt, sind in Deutschland etwa 400 Menschen pro Jahr betroffen. Doch nur jeder dritte Infizierte erkrankt. Etwa 1-2 Prozent der Patienten sterben an der Erkrankung.

Die Zunächst grippeähnlichen Krankheitszeichen der FSME beginnen etwa 5-14 Tage nach dem Stich. Nach einer beschwerdefreien Zeit von 1-3 Tagen treten dann typischerweise heftige Kopfschmerzen, hohes Fieber, Nackensteifigkeit und Erbrechen mit schwerem allgemeinen Krankheitsgefühl auf.

Eine spezifische Behandlung dieser gefährlichen Hirnhautentzündung gibt es nicht. Wenn man in Risikogebieten wohnt und sich gern im Freien aufhält oder berufsbedingt aufhalten muss, sollte man sich und seine Kinder impfen lassen. Gebiete in Deutschland mit bekanntem Risiko sind Bayern, Baden-Würtemberg sowie einige Teile in Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen.

Insbesondere wer sich im Urlaub und in der Freizeit viel in der Natur aufhält, sollte an eine Impfung denken. Denn 90 Prozent der FSME Erkrankten infizieren sich bei Freizeitaktivitäten. Auch in Ländern wie Österreich, Schweiz, Slowenien, Ungarn, Litauen, Lettland, Estland und anderen Urlaubsgebieten besteht ein ernst zu nehmendes bis hohes Infektionsrisiko.

Auf der Internetseite FSME Definitionen finden Sie eine Übersichtskarte über die Verbreitungsgebiete in Deutschland. Besprechen Sie mit Ihrem Hausarzt, ob eine Impfung für Sie sinnvoll ist und welche Nebenwirkungen möglich auftreten können. Dazu zählen etwa leichtes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, sehr selten aber auch Erkrankungen des Nervensystems wie Lähmungen. Eine FSME- Impfung nach einem Zeckenstich ist umstritten.

Wann zum Arzt?

Nach einem Zeckenstich ist ein Arztbesuch in der Regal nicht von vorneherein erforderlich, ebenso wenig eine vorsorgliche Behandlung mit Antibiotika. Konnten Sie die Zecke nicht oder nicht komplett herausholen, kann Ihnen der Arzt diese entfernen. Ansonsten gilt:

  • Warten Sie ab und kontrollieren Sie drei Wochen die Einstichstelle und die umgehenden Hautgebiete auf Veränderungen.
  • Geht die Rötung um die Einstichstelle nicht innerhalb einiger Tage zurück, vergrößert sie sich oder kommt es sogar an anderen Körperstellen zu Rötungen, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen.
  • Die Untersuchung einer Zecke auf Krankheitserreger bringt wenig. Selbst wenn die Zecke infiziert ist, heißt das nicht, dass sie ihr "Opfer" infiziert hat.