Rotaviren-Impfung: Empfehlungen, Wirksamkeit und Kostenübernahme
Rotaviren können besonders bei Säuglingen und Kleinkindern heftige Magen-Darm-Infektionen auslösen. Starker Durchfall und Erbrechen führen zu einem großen Flüssigkeitsverlust innerhalb kurzer Zeit. Eine frühzeitige Rotaviren-Impfung kann das Risiko schwerer Krankheitsverläufe deutlich reduzieren. Die hkk Krankenkasse informiert über Wirksamkeit, Empfehlungen und Kostenübernahme.
Was sind Rotaviren?
Rotaviren sind eine häufige Ursache ansteckender Magen-Darm-Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern. Die Übertragung erfolgt vor allem über kleinste Stuhlreste (über die Hände, gemeinsam benutzte Gegenstände oder verunreinigte Oberflächen) sowie über kontaminierte Lebensmittel oder Wasser. Dal Rotaviren in der Umwelt vergleichsweise stabil sind, können sie sich leicht verbreiten.
Eine Infektion kann ohne Beschwerden oder mit unterschiedlich starken Symptomen verlaufen. Typisch sind plötzlich einsetzender wässriger Durchfall, Erbrechen, Bauchbeschwerden und teilweise Fieber. Vor allem bei kleinen Säuglingen besteht das Risiko eines erheblichen Flüssigkeits- und Salzverlustes. Schwere Verläufe können eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich machen.
Im Jahr 2024 wurden dem Robert Koch-Institut in Deutschland 21.725 Rotavirus-Gastroenteritiden übermittelt. Die tatsächliche Zahl der Infektionen dürfte jedoch höher liegen, da nicht jede erkrankte Person ärztlich untersucht, auf Rotaviren getestet und gemeldet wird. Zwar kann grundsätzlich jede Person erkranken, besonders betroffen sind jedoch Säuglinge und Kleinkinder: Im Jahr 2024 entfiel etwa ein Drittel der gemeldeten Erkrankungen auf Kinder unter fünf Jahren.
Was ist die Rotaviren-Impfung?
Die Rotaviren-Impfung ist keine Spritze, sondern eine Schluckimpfung. Sie enthält abgeschwächte, vermehrungsfähige Viren und soll das Immunsystem darauf vorbereiten, Rotaviren abzuwehren. Ziel der Impfung ist insbesondere, schwere Magen-Darm-Erkrankungen sowie dadurch bedingte Arztbesuche und Krankenhausbehandlungen zu verhindern.
Wer sollte sich gegen Rotaviren impfen lassen?
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Rotaviren-Impfung als Standardimpfung für alle Säuglinge. Die Impfserie soll möglichst früh beginnen, da Rotavirus-Erkrankungen gerade im ersten Lebensjahr schwer verlaufen können und für die Impfung feste Altersgrenzen gelten.
Nach den aktuellen STIKO-Empfehlungen kann die erste Dosis ab einem Alter von sechs bis zwölf Wochen verabreicht werden. Abhängig vom verwendeten Impfstoff sind zwei oder drei Dosen im Abstand von jeweils mindestens vier Wochen erforderlich. Die Impfserie sollte vorzugsweise bis zum Alter von 16 Wochen beim Zweidosen-Impfstoff beziehungsweise bis zum Alter von 20 bis 22 Wochen beim Dreidosen-Impfstoff beendet sein, spätestens jedoch (je nach Präparat) bis zur vollendeten 24. beziehungsweise 32. Lebenswoche.
Übernimmt die hkk Krankenkasse die Kosten für eine Rotaviren-Impfung?
Ja, die hkk übernimmt die Kosten für alle Schutzimpfungen, die die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt. Voraussetzung ist, dass der Gemeinsame Bundesausschuss die jeweilige Impfung in die Schutzimpfungs-Richtlinie aufgenommen hat.
Ablauf einer Rotaviren-Impfung
Vor der Rotaviren-Impfung klärt die Kinderärztin oder der Kinderarzt, ob das Kind aktuell gesund ist und ob gesundheitliche Gründe gegen die Impfung sprechen. Dabei sollten bekannte Erkrankungen, frühere Reaktionen auf Impfungen, Darmfehlbildungen, Immunschwächen sowie aktuelle Medikamente thematisiert werden.
Der Impfstoff wird als Flüssigkeit direkt in den Mund des Säuglings gegeben. Je nach Impfstoff umfasst die Impfserie zwei oder drei Dosen. Zwischen den einzelnen Dosen muss ein Abstand von mindestens vier Wochen liegen. Die genauen Termine richten sich nach dem verwendeten Impfstoff und dem Alter des Kindes. Jede verabreichte Dosis wird im Impfpass dokumentiert.
Nach der Impfung können vorübergehend unter anderem Durchfall, Erbrechen, Fieber, Unruhe oder Reizbarkeit auftreten. Welche Reaktionen wie häufig beobachtet werden, hängt auch vom verwendeten Impfstoff ab. Die jeweiligen Fach- und Gebrauchsinformationen klären darüber im Einzelnen auf.
Da nach einer Impfung abgeschwächte Impfviren vorübergehend mit dem Stuhl ausgeschieden werden können, ist beim Windelwechsel eine sorgfältige Handhygiene wichtig. Dies gilt besonders, wenn im Haushalt eine stark immungeschwächte Person lebt.
Häufige Fragen und Antworten rund um die Rotaviren-Impfung
Die Rotaviren-Impfung schützt besonders wirksam vor schweren Krankheitsverläufen. Nach der von der STIKO ausgewerteten Evidenz verhindert eine vollständig durchgeführte Impfserie innerhalb der ersten beiden Lebensjahre etwa 91 Prozent der schweren Rotavirus-Gastroenteritiden und etwa 92 Prozent der rotavirusbedingten Krankenhausaufnahmen.
Ein vollständiger Schutz vor jeder Infektion ist zwar nicht möglich, die Impfung senkt jedoch insbesondere das Risiko schwerer Erkrankungen und dadurch bedingter Krankenhaus- oder Notfallbehandlungen. Die Schutzwirkung kann unter anderem vom Impfstoff, der Virusvariante und der untersuchten Bevölkerungsgruppe abhängen.
Die von der STIKO zusammengefassten klinischen Studien belegen einen hohen Schutz während der ersten beiden Lebensjahre. Das ist besonders relevant, weil Säuglinge und Kleinkinder in diesem Zeitraum ein erhöhtes Risiko für einen erheblichen Flüssigkeitsverlust und eine notwendige Krankenhausbehandlung haben. Eine routinemäßige Auffrischimpfung nach Abschluss der Impfserie ist nach den Empfehlungen der STIKO nicht vorgesehen.
Sehr selten kann es nach einer Rotaviren-Impfung zu einer Darmeinstülpung, einer sogenannten Invagination, kommen. Dabei schiebt sich ein Darmabschnitt in einen benachbarten Darmabschnitt. Beobachtungsstudien weisen darauf hin, dass das Risiko insbesondere innerhalb der ersten sieben Tage nach einer Impfdosis erhöht ist. Warnzeichen können starke oder wiederkehrende Bauchschmerzen, anhaltendes Erbrechen, ein aufgeblähter Bauch oder blutiger Stuhl sein. Bei solchen Beschwerden muss das Kind unverzüglich ärztlich untersucht werden.
Bei akutem Durchfall, Erbrechen oder einer schweren fieberhaften Erkrankung sollte der Impftermin in der Regel verschoben werden. Leichte Infekte schließen eine Impfung nicht grundsätzlich aus; darüber entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Ein Nachholen der Impfung nach Überschreiten der zugelassenen Altersgrenzen ist nicht vorgesehen. Eltern sollten die Impftermine deshalb frühzeitig mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt abstimmen. Eine begonnene Impfserie wird üblicherweise nicht erneut von vorn gestartet. Wegen der engen Altersgrenzen sollte ein versäumter Termin aber möglichst schnell mit der Kinderarztpraxis besprochen werden. Ob die Impfserie noch abgeschlossen werden kann, hängt vom Alter des Kindes und vom verwendeten Impfstoff ab.
Auch Frühgeborene können grundsätzlich gegen Rotaviren geimpft werden. Entscheidend sind das Lebensalter, der Gesundheitszustand und die jeweiligen Zulassungsbedingungen des Impfstoffs. Bei sehr früh geborenen oder gesundheitlich belasteten Kindern sollte die Kinderärztin oder der Kinderarzt den geeigneten Impfzeitpunkt individuell festlegen.
Gegenanzeigen können je nach Impfstoff beispielsweise eine schwere allergische Reaktion auf eine frühere Dosis oder einen Impfstoffbestandteil, bestimmte angeborene Darmfehlbildungen, eine frühere Darmeinstülpung oder eine schwere kombinierte Immunschwäche sein. Bei akutem Durchfall, Erbrechen oder schwerem Fieber wird die Impfung in der Regel verschoben. Ob eine Impfung möglich ist, muss ärztlich beurteilt werden.
- Übersicht der verwendeten Rotaviren-Impfstoffe vom Paul-Ehrlich-Institut
- Robert-Koch-Institut: Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2024 (PDF-Datei, deutsch)
- Das Robert-Koch-Institut informiert über Rotavirus-Infektionen
- Positionspapier der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu Rotaviren-Impfungen (PDF-Datei, Juli 2021, englisch)