: Aufatmen unter Bäumen

Bei einem Waldspaziergang atmen wir regelrecht auf. Denn das Mikroklima in den Wäldern unterscheidet sich deutlich von dem in der Stadt oder auf offener Flur. Schon kurze Aufenthalte im Wald wirken sich nachweislich auf die Gesundheit aus.

Wälder gelten insbesondere für Stadtmenschen als wichtige Naherholungsräume. Denn bei einem Waldspaziergang atmen wir regelrecht auf. Aber warum ist das eigentlich so?

Mehr als nur beruhigendes Grün

Sicher wirkt allein schon das üppige Grün beruhigend auf uns. Außerdem empfinden wir Menschen einen Waldspaziergang als wesentlich reizärmer als einen Bummel durch die Stadt: Im Wald gibt es keine Schaufensterauslagen und Werbeplakate, die um unsere Aufmerksamkeit buhlen. Wir müssen nicht ständig auf andere Passanten oder gar Fahrzeuge achten, der Geräuschpegel ist deutlich reduziert. Und im Wald ist der Boden nicht so hart und verdichtet wie in der Stadt, wodurch das Gehen weitaus weniger anstrengend und somit ermüdend ist.

Entscheidend für den wohltuenden Effekt des Waldes ist aber in erster Linie das besondere Mikroklima. Und das unterscheidet sich in den Wäldern deutlich von dem in der Stadt – und auch auf offener Flur. So sind die Temperaturschwankungen geringer, weil die vielen Bäume zum einen die Sonne abschirmen, zum anderen wiederum kalte Winde. Vor allem aber die Luftfeuchtigkeit ist konstant höher, was sich wohltuend auf die Atemwege auswirkt. Dieses besondere Mikroklima erzeugt der Wald ganz von sich aus. Allein schon der Humus, der sich aus Blättern und Nadeln bildet, speichert viel Wasser. Und die hoch aufragenden Bäume mit ihren Ästen, Zweigen und dem Laub stoppen die Winde, wodurch die Verdunstung gebremst wird.

Viel weniger Staub in der Luft

Die höhere Luftfeuchtigkeit wiederum bindet Staubteilchen und lässt sie zu Boden sinken, wo sie Teil des Humus werden. Dadurch ist die Luft im Wald deutlich staubärmer als in den Städten. In einem intakten Wald ist die Staubbelastung so gering wie sonst nur am Meer oder im Hochgebirge und um den Faktor 10 bis 100 niedriger als in der Stadt. Kein Wunder, dass uns die Waldluft aufatmen lässt.

Hinzu kommt: Pflanzen – und ganz besonders Bäume – sondern so genannte Phytonzide ab. Hierbei handelt es sich um Substanzen, die möglichen Schädlingen das Leben schwer machen, seien es Insekten, Bakterien oder Pilze. Bei einem Befall aktiviert das Immunsystem des Baumes die entsprechende Produktion. Im Idealfall wird der Eindringling so abgewehrt. Da das Reaktionsvermögen von Bäumen jedoch vergleichsweise langsam ist, sind die Phytonzide gleichzeitig auch ein Kommunikationsmittel. Die umherstehenden Bäume nehmen den Duft dieser Substanzen wahr und werden so vor der Gefahr gewarnt. Sie beginnen nun ebenfalls, Abwehrstoffe zu bilden, auf dass die Schädlinge sich gar nicht erst ausbreiten können.

Natürliche Antibiotika liegen in der Luft

Dadurch zirkulieren in der Waldluft laufend antibiotisch wirkende Substanzen – und davon profitiert auch das menschliche Immunsystem. Japanische Forscher konnten in diesem Zusammenhang nachweisen, dass ein Spaziergang im Wald die Körperabwehr kräftigt. Und dieser Effekt hält so lange an, dass er sich sogar noch sieben Tage später nachweisen lässt. Wie das im Detail funktioniert, ist zwar noch nicht erforscht. Allerdings vermuten die Wissenschaftler: Phytonzide gelangen mit der Atemluft über die Lunge in den Blutkreislauf und aktivieren dort die körpereigenen Fresszellen. Diese auch als Killerzellen bekannten Abwehrkörper können allerlei Krankheitserreger eliminieren.

Darüber hinaus profitiert auch das Herz-Kreislauf-System vom Aufenthalt im Wald, wie eine koreanische Studie zeigen konnte: Die Forscher ließen eine Personengruppe eine Stunde lang im Wald spazieren, die andere in der Stadt.

Hierbei zeigte sich: Infolge des Waldspaziergangs verbesserten sich die Blutdruckwerte, die Lungenkapazität und die Elastizität der Adern – nicht jedoch beim Spaziergang in der Stadt. Der Erholungswert des Waldes lässt sich somit mit wissenschaftlichen Methoden klar belegen. Es ist nicht auszuschließen, dass wir dies intuitiv spüren – und unser Körper somit unbewusst, aber dennoch beim Betreten des Waldes ganz unmittelbar, signalisiert: Hier geht es mir gut!