: Zucker: vom Grundnahrungsmittel zum Gift?

Früher galt Zucker als wertvolles Grundnahrungsmittel. Inzwischen ist jedoch klar: Die Risiken des Zuckerkonsums werden zunehmend zum Problem. Viele überschreiten die täglich empfohlene Menge der Weltgesundheitsorganisation.

Zucker ist energiereich - und kann so ein wichtiger Energielieferant für den Körper sein. Andererseits ist offensichtlich, dass zu viel Zucker der Gesundheit ganz erheblich schaden kann: Eine zu zuckerhaltige Ernährung macht Übergewicht und die damit einhergehenden Folgeerkrankungen wahrscheinlicher. Und auch der Zusammenhang zwischen Karies und Zucker ist unstrittig.

Doch wie viel ist beim Zucker eigentlich zu viel? Empfahl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis vor kurzem noch eine maximale Tagesdosis von 40 bis 50 Gramm, halbierte sie diesen Richtwert auf 25 Gramm Zucker pro Tag pro erwachsener Person!

Deutlich zu hoher Zuckerkonsum

Das ist nicht viel - und wahrscheinlich gibt es nur wenige Menschen in den Industrienationen, die diesen Wert regelmäßig einhalten. Denn allein in einer gewöhnlichen Rosinenschnecke vom Bäcker um die Ecke stecken etwa 50 Gramm Zucker. Und eine handelsübliche Tafel Schokolade bringt es auf 60 Gramm. Selbst wenn man nur die Hälfte konsumiert, hat man den WHO-Richtwert schon überschritten.

Besonders hoch ist der Zuckergehalt zudem in gesüßten Getränken: In einer Literflasche Limonade stecken mehr als 100 Gramm Zucker. Wer also nur ein Glas (0,2 l) davon trinkt, nimmt 20 Gramm Zucker zu sich - fast der gesamte Maximalwert pro Tag.

Süßes Gift?

Doch warum ist Zucker überhaupt so problematisch - und wird von Ärzten und Ernährungsexperten zunehmend kritisch gesehen? Immerhin galt Zucker noch vor wenigen Jahrzehnten als wertvolles Grundnahrungsmittel, das es für schwierige Zeiten im Keller zu horten galt. Doch der hohe Energiegehalt des Lebensmittels hat eben auch seine Schattenseiten: Gewöhnlicher Haushaltszucker, der fast ausschließlich aus der so genannten Saccharose besteht, wird bei der Verdauung im Darm in seine zwei Bestandteile aufgespalten: Es entstehen Fruktose, der so genannte Fruchtzucker, und Glukose, auch als Traubenzucker oder Dextrose bekannt. Diese beiden Substanzen wiederum werden umgehend vom Darm aufgenommen und gelangen so in den Blutkreislauf. All dies geschieht sehr schnell und effizient. Mit anderen Worten: Zucker geht praktisch sofort ins Blut. Gelangt jedoch mehr als benötigt davon in den Organismus, beginnt der Körper damit, die überschüssige Energie umzubauen und einzulagern - und zwar bei längerer Zuckerüberversorgung in den berüchtigten Fettdepots. Unsere zu süße Ernährung ist daher ein wesentlicher Faktor für Übergewicht.

Hinzu kommt: Die süßen Sünden lassen schnell den Blutzuckerspiegel im Blut hochschnellen. Hier muss der Körper gegensteuern - und Insulin ausschütten. Denn ein dauerhaft zu hoher Blutzuckerspiegel schädigt den Organismus. Insulin ist das Hormon, das andere Körperzellen dazu anregt, Glukose aus dem Blut aufzunehmen. Dabei gilt vereinfacht gesagt: Je süßer eine Speise, desto stärker nicht nur der Anstieg des Blutzuckerspiegels, sondern auch die darauf folgende Insulinausschüttung. Es kommt zu einer regelrechten Gegenreaktion - woraufhin der Blutzuckerspiegel genauso plötzlich wieder stark absacken kann. Und ein zu niedriger Blutzuckerspiegel ist für den Körper ebenfalls problematisch. Er versucht gegenzusteuern und verlangt nach Nahrung. Wir bekommen Hunger!

Langsamere Energieaufnahme

Ziel sollte es daher sein, den Blutzuckerspiegel möglichst konstant zu halten. Das gelingt am besten mit Nahrung, deren Energie langsam und gleichmäßig aufgenommen wird. Das ist bei langkettigen Kohlehydraten der Fall, wie sie typischerweise in ballaststoffreichen Vollkornprodukten stecken. Zucker - egal in welcher Form er auftritt, sollte jedoch vermieden werden. Das Problem dabei: Zucker steckt in weitaus mehr Produkten, als uns häufig bewusst ist. Zucker ist - neben Fett - ebenfalls Geschmacksträger, weswegen die Nahrungsmittelindustrie ihn gerne und häufig verwendet, auch in herzhaften Gerichten: Bestimmte Nudelsoßen, Pizzen und andere Fertigprodukte haben eine nicht zu unterschätzende Zuckermenge in sich. Und nicht selten wird bei fettarmen Lebensmitteln der damit einhergehende Geschmacksverlust durch Zucker ausgeglichen.

Übrigens: Die beiden Zuckerarten Glukose und Fruktose werden vom Stoffwechsel unterschiedlich verarbeitet. Und lange hielt man Fruktose, also den Fruchtzucker, für die harmlosere Zuckerart. Schließlich ist es Glukose, also Traubenzucker, der die Bauchspeicheldrüse veranlasst, Insulin auszuschütten und den Blutzuckerspiegel im Rahmen zu halten. Fruktose hat auf diese Reaktion keinen Einfluss. Allerdings wird auch Fruktose vom Stoffwechsel umgewandelt - und in Depots eingelagert. Inzwischen ist man sich sicher: Gerade Fruktose hat einen erheblichen Anteil an der Entwicklung von Fettleibigkeit.

Lassen Sie sich also nicht von der Werbung täuschen: Insbesondere wenn von "natürlicher Süße der Früchte" die Rede ist, ist meist Fruchtzucker gemeint - also Fruktose. Und egal ob Fruktose, Glukose oder gewöhnlicher Haushaltszucker Saccharose: Zucker bleibt Zucker - und versorgt unseren Körper mit hochkonzentrierter Energie. Und zu viel davon wird in Fettzellen eingelagert.