: Schilddrüse: Warum Jod wichtig ist

Die Schilddrüse bildet wichtige Hormone. Kommt es daher zu einer Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion, wirkt sich das auf viele Körperfunktionen aus. Tatsächlich sind Probleme mit der Schilddrüse häufiger als viele annehmen.

Noch vor wenigen Jahrzehnten gehörte er vielerorts zum alltäglichen Bild: der Kropf, medizinisch Struma genannt. Vor allem in Süddeutschland trat die krankhaft vergrößerte Schilddrüse auf, aber auch in den Mittelgebirgen und im norddeutschen Flachland abseits den Küsten. Denn die Schilddrüse beginnt immer dann mit einem unkontrollierten Größenwachstum, wenn der Körper über die Nahrung nicht ausreichend Jod erhält.

Jodmangel „zwingt“ Schilddrüse zum Wachstum

Schließlich besteht die Hauptfunktion der Schilddrüse darin, die jodhaltigen Hormone Thyroxin, Triiodthyronin und Calcitonin zu bilden. Und weil diese Hormone für den Energiestoffwechsel, das Wachstum einzelner Zellen sowie des Gesamtorganismus benötigt werden, also für den Organismus außerordentlich wichtig sind, versucht die Schilddrüse einen möglichen Jodmangel durch ein verstärktes Gewebewachstum auszugleichen – bis hin zu einer krankhaften Vergrößerung.

Dabei ist ein Jodmangel heutzutage in Deutschland nach wie vor möglich. Denn Deutschland zählt – so wie die meisten anderen Regionen Mitteleuropas– weltweit zu den Jodmangel-Gebieten. Der Grund: Während der Eiszeiten waren weite Landstriche von gewaltigen Eismassen bedeckt. Als es schließlich in den Wärmeperioden zur Schneeschmelze kam, wurden die Böden förmlich ausgespült. Denn das Element Jod kommt in der Natur insbesondere in wasserlöslichen Verbindungen vor. Das hat jedoch zur Folge, dass die landwirtschaftlichen Produkte – Pflanzen, Milch, Fleisch etc. – in Deutschland von Natur aus einen sehr geringen Jodgehalt haben. Lediglich Seefisch kommt daher als natürlicher Jodlieferant in Frage, da der Jodgehalt im Meer hoch ist.

Um einem Jodmangel – und damit einer Schilddrüsenvergrößerung – vorzubeugen, gibt es daher hierzulande zwei Möglichkeiten: Entweder greifen Sie regelmäßig – etwa zwei bis drei mal pro Woche – zu Seefisch und Meeresfrüchten. Oder Sie beziehen bewusst jodiertes Speisesalz in Ihre Ernährung mit ein. Achtung: Der Jodgehalt von Meersalz ist von Natur aus nicht wesentlich höher als der von „gewöhnlichem“ Speisesalz.

Unterfunktion der Schilddrüse: Schlappheit etc.

Wie wichtig eine ausreichende Jodversorgung nach wie vor ist, zeigt auch eine aktuelle Mitteilung des Berufsverbands Deutscher Internisten e.V.: Darin weisen die Ärzte darauf hin, dass bei jedem dritten erwachsenen Deutschen die Schilddrüse vergrößert ist – wenn auch nicht mehr in der extremen Art und Weise wie in der Vergangenheit. In jedem Fall ist die Struma mit Abstand nach wie vor die häufigste Erkrankung der Schilddrüse. Wie alle Schilddrüsenerkrankungen kann sie bzw. der Kropf zu Störungen des Hormonstoffwechsels führen. Insbesondere eine Unterfunktion der Schilddrüse ist möglich.

Das äußert sich dann in einem verlangsamten Stoffwechsel, was wiederum eine verringerte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit bewirkt: Unter anderem sind der Grundumsatz des Organismus sowie die Erregbarkeit von Muskel- und Nervenzellen reduziert. Man fühlt sich schlapp, müde und unausgeglichen. Bei entsprechend unspezifischen Beschwerden kommt es auch immer wieder vor, dass die Schilddrüsenunterfunktion nicht erkannt wird und fälschlicherweise als psychisches Problem gedeutet wird, zum Beispiel als leichte Depression.

Überfunktion der Schilddrüse: Nervosität & Co.

Im Gegensatz dazu kommt es bei einer Schilddrüsenüberfunktion zu einem erheblich beschleunigten Stoffwechsel. Die Folgen können vielfältig sein: Gewichtsverlust, Durchfall, Nervosität, Haarausfall, Schweißausbrüche, Herzklopfen und verstärkte Wärmeempfindlichkeit. Eine Schilddrüsenüberfunktion kann unterschiedliche Ursachen haben. Im Vordergrund stehen dabei organische Erkrankungen. Eine Überfunktion infolge einer zu großen Jodaufnahme ist vergleichsweise selten, kommt jedoch vor. Der Grund ist allerdings dann meistens eine extrem gesteigerte Jodaufnahme durch Arzneimittel oder spezielle Nahrungsergänzungsmittel. Eine Überversorgung mit Jod über gewöhnliche Lebensmittel bzw. Jodsalz ist sehr unwahrscheinlich.

In jedem Fall gilt: Es ist nicht ratsam, aus Angst vor einer möglichen Schilddrüsenüberfunktion auf jodhaltige Lebensmittel wie Seefisch und jodiertes Speisesalz zu verzichten. Denn die Wahrscheinlichkeit für einen Mangel an Jod und eine dadurch bedingte Beeinträchtigung der Schilddrüsenfunktion ist erheblich größer.