: Interview: "Lieber ausgewogen ernähren"

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hält funktionelle Lebensmittel nicht per se für schlecht, warnt aber vor einer Überschätzung. Isabelle C. Keller, Diplom-Oecotrophologin bei der Deutschen Geselschaft für Ernährung (DEG) in Bonn, verrät, worauf Verbraucher achten sollten.

Viele Menschen ernähren sich ungesund. Ist es da nicht sinnvoll, auf funktionelle Lebensmittel zu setzen?

Keller: Funktionelle Lebensmittel bieten noch lange keine Garantie für eine ausgewogene Ernährung und können diese definitiv nicht ersetzen. Auch Ernährungsfehler können nicht unbedingt durch den Verzehr solcher Lebensmittel beseitigt werden. Sie können in bestimmten Lebenssituationen jedoch eine ausgewogene Ernährung ergänzen.

In welchen Fällen zum Beispiel?

Keller: Etwa, wenn es darum geht, kritische Nährstoffe auszugleichen. So können mit Mikro-Algenölen angereicherte Lebensmittel bei Veganern sinnvoll sein, die keinen Fisch essen, der ein guter Lieferant für langkettige Omega-3-Fettsäuren ist. Ebenso können Veganer oder Menschen mit Milchzuckerunverträglichkeit mit Kalzium unterversorgt sein. Hier können mit Kalzium angereicherte Obstsäfte, angereicherte Soja- oder Haferdrinks einen wichtigen Beitrag leisten.

Wann sollte man eher vorsichtig sein?

Keller: Immer dann, wenn eine ernährungsbedingte Krankheit vorliegt. So kann zwar eine Margarine mit Phytosterolen hilfreich bei schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder erhöhten Blutfettwerten sein. Doch die Zufuhr solcher Lebensmittel sollte immer in Absprache mit dem Arzt erfolgen, weil gleichzeitig die Medikamentendosis angepasst werden muss. Ähnliches gilt bei Personen mit schweren Allergien und Unverträglichkeiten, bei denen die Lebensmittelauswahl stark eingeschränkt ist. In diesem Fall sollte lieber eine qualifizierte Ernährungsberatung erfolgen.

Gerade Babys und Kinder sind ein großer Markt für Functional Food. Was raten Sie Eltern?

Keller: Funktionelle Lebensmittel sind für Kinder definitiv nicht notwendig. Gerade Produkte, die speziell für Kinder ausgelobt werden, sind nicht besser. Eltern sollten daher lieber auf eine ausgewogene Lebensmittelauswahl achten und ihnen täglich Gemüse, Obst und Milchprodukte anbieten. Gerade bei Kleinkindern steht das Essen lernen im Vordergrund, also das Kennenlernen von Lebensmitteln, das Verhalten drum herum wie gemeinsame Mahlzeiten am Familientisch und die Vorbildfunktion durch das, was die Eltern essen.

Wie kann man als Erwachsener seinen Nährstoffbedarf ohne funktionelle Lebensmittel decken?

Keller: Durch die richtige Zusammensetzung der Ernährung. Im Mittelpunkt sollten pflanzliche Lebensmittel stehen wie Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn-Getreideprodukte, Nüsse, Samen und hochwertige Pflanzenöle. Auch gehören fettarme Milch und Milchprodukte täglich auf den Tisch. Weitere tierische Lebensmittel wie, Fisch, Fleisch oder Eier sollten nur einen kleinen Teil ausmachen. Damit macht man schon viel richtig. Die DGE hat auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zehn Regeln formuliert, die helfen, genussvoll und gesund zu essen. Diese sind auf unserer Internetseite www.dge.de nachzulesen.