: Nachtschattengewächse: gesunde Giftpflanzen

Immer wieder wird vor Nachtschattengewächsen wegen ihrer Giftigkeit gewarnt. Dabei gehören auch Tomaten und Kartoffeln zu dieser Pflanzenfamilie und die gelten jeweils als sehr gesund. Wie passt das zusammen?

Die Familie der Nachtschattengewächse ist groß: Es sind rund 100 Gattungen mit mehr als 2.700 Arten bekannt. Neben Kartoffel, Tomate, Paprika, Aubergine und Goji-Beere zählt auch der Tabak dazu, genauso wie der Bittersüße Nachtschatten, die Tollkirsche und die Engelstrompeten. Letztere sind insbesondere für ihre starke Giftigkeit bekannt. Und in der Tat stecken in allen Pflanzen dieser großen Familie Giftstoffe, typischerweise Alkaloide und Steroide.

Diese Gifte zählen zur Verteidigungsstrategie der Pflanzen. Vor allem die enthaltenen Alkaloide bieten Schutz vor möglichen Fressfeinden. Die Substanzen wirken auf das Nervensystem. Manche Stoffe führen zu starken Lähmungen, so dass es zum schnellen Tod durch Ersticken kommen kann. Andere wiederum wirken subtiler, indem sie Halluzinationen und Drogenpsychosen auslösen.

Genau solche Wirkungen waren auch schon den alten Griechen und Römern bekannt – und wohl auch den Germanen. Denn der Name der Pflanzenfamilie hat nichts mit der Dunkelheit der „Nacht“ oder des „Schattens“ zu tun, sondern geht auf das althochdeutsche „nahtscato“ bzw. mittelhochdeutsche „nahtschade“ zurück. Nicht ein „Schatten“ ist gemeint, sondern ein „Schaden“. Die Nacht wiederum ist hier nicht als Angabe der Tageszeit zu verstehen, sondern im Sinne einer Bewusstseinstrübung – so wie wir das Wort heute noch in der Redewendung „geistig umnachtet“ verwenden. Tatsächlich wurden im Mittelalter Teile des Schwarzen Nachtschattens und ähnlicher Pflanzen eingesetzt, um Menschen zu heilen, wenn man annahm, sie seien von Hexen oder bösen Geistern besessen.

Nutzbare und wertvolle Pflanzenteile

Wie jede Pflanze bestehen auch Nachtschattengewächse aus verschiedenen Pflanzenteilen: Wurzeln, Stiel, Blätter sowie gegebenenfalls Beeren und Knollen. Und ist beispielsweise die Beere der Tollkirsche hochgiftig, ist dies bei der Tomate überhaupt nicht der Fall. Die Frucht der aus Lateinamerika stammenden Pflanze nutzen wir ganz selbstverständlich roh und gekocht. Auch wenn sie aus einer für ihre Giftigkeit bekannten Pflanzenfamilie stammt, sollten Sie weiterhin beherzt zu Tomaten greifen. Denn die roten Früchte – aus botanischer Sicht handelt es sich tatsächlich um Beeren – haben einen hohen Gehalt an Vitaminen und anderen wertvollen Inhaltsstoffen. Insbesondere das Lycopin, das der Tomate ihre rote Farbe verleiht, stärkt unsere Immunabwehr und soll sogar in der Lage sein, das Krebsrisiko zu reduzieren.

Doch so wertvoll die rote Frucht für die Gesundheit ist. Der Rest der Pflanze ist es nicht – im Gegenteil: Blätter und Stiele der Tomatenpflanze sollten Sie auf keinen Fall verzehren oder mitkochen. Gleiches gilt für unreife Früchte. Am besten schneidet man auch den harten und teilweise grünen Strunk heraus. Denn im gesamten Grün der Pflanze stecken Giftstoffe, die zu Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen führen können.

Giftige Pflanzenteile meiden

Gleiches gilt für all die anderen Nutzpflanzen, die zu den Nachtschattengewächsen zählen, seien es Paprika, Auberginen und Goji-Beeren: Die Früchte sind nicht nur sehr schmackhaft, sondern auch reich an gesunden Inhaltsstoffen. Kann man Paprikas, Goji-Beeren und Tomaten problemlos roh verzehren. Dies gilt jedoch nicht für die aus Asien stammende Aubergine. Denn auch in deren Früchten steckt eine relevante Menge der für Nachtschattengewächse typischen Substanz Solanin, die zu Übelkeit führen kann. Beim Garen geht die Wirkung jedoch verloren, so dass man gedünstete, gekochte oder gegrillte Auberginen bedenkenlos genießen kann.

Eine Sonderstellung unter den Nachtschattengewächsen nimmt die Kartoffel ein. Die Knollen der Pflanze sind nicht nur sehr stärkehaltig, weswegen sie zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln zählen. In ihnen steckt auch eine große Menge Vitamin C. Und obwohl dieses Vitamin eigentlich hitzeempfindlich ist, lässt sich mit einer regelmäßigen Kartoffel-Mahlzeit effektiv einem Vitamin-C-Mangel vorbeugen. Vor allem für die Seefahrt erwies sich die Kartoffel als wahrer Segen. Denn bevor die aus Amerika stammende Nutzpflanze in Europa eingeführt wurde, kam es aufgrund des Mangels an frischen Lebensmitteln an Bord von Hochseeschiffen häufig zum gefürchteten Skorbut, einer gefährlichen Mangelerkrankung.

Kartoffelpflanze: nur die Knolle genießbar

Doch auch bei diesem Nachtschattengewächs sind alle anderen Pflanzenteile giftig. Und nachdem die Bauern hierzulande im 17. oder 18. Jahrhundert die Kartoffel als Nutzpflanze kennen lernten, soll es immer wieder zu Vergiftungserscheinungen gekommen sein: Die Menschen hatten irrtümlicherweise die oberirdisch wachsenden Beeren verspeist, die Übelkeit und Magenkrämpfe auslösen.

Aber auch grüne Bestandteile in der Knolle können die entsprechenden Giftstoffe enthalten. Diese Teile sollte man daher immer vor dem Kochen heraus schneiden und die Knollen richtig, nämlich dunkel, lagern. Denn bei Lichteinfall werden sie grün.