: Gesund durch Genuss?

Viele fürchten, über die Feiertage zu viele Kalorien zu sich zu nehmen – und können die Leckereien daher gar nicht richtig genießen. Doch weder ein Komplettverzicht noch ein schlechtes Gewissen machen glücklich – und damit auf Dauer gesund.

Nach Feierabend noch ein Glühwein mit den Kollegen, Adventskaffee mit reichlich Gebäck, an Weihnachten selbst dann der Gänsebraten und das mehrgängige Menü in der Silvesternacht. In der Vorweihnachtszeit und an den Feiertagen selbst kommen traditionell reichlich süße und fettreiche Speisen auf den Tisch. Und auch der Alkohol, der dazu serviert wird, enthält reichlich Kalorien. Wäre es aus gesundheitlicher Sicht daher nicht vernünftiger, das Feiern komplett bleiben zu lassen?

Feiertagsspeisen nicht gerade gesund

Zweifelsfrei steht fest: Plätzchen, Pasteten, fette Braten sowie Glühwein & Co. sind nicht gerade gesundheitsfördernd. Generell enthalten diese Leckereien im Schnitt zu viele Kalorien, so dass ein anhaltender Verzehr quasi zwangsläufig zu Übergewicht führt. Außerdem ist die enthaltene Nährstoffkombination eher ungünstig. Zu wenig Vitalstoffe wie Vitamine, Mineralien und sekundäre Pflanzenstoffe. Zu viele tierische und gehärtete Fette, die sich besonders negativ auf den Fettstoffwechsel des Organismus auswirken können.

Doch ein Komplettverzicht ist gerade aus psychologischer Sicht alles andere als sinnvoll:

Verzicht macht kaum glücklich

Zwar ist es für viele Menschen kein Problem, auf bestimmte Dinge über einen längeren Zeitraum oder auch dauerhaft zu verzichten – zum Beispiel Fleisch oder tierische Lebensmittel allgemein. Wem bestimmte Dinge nicht oder nicht mehr wichtig sind, der vermisst diese auch nicht wirklich.

Wer jedoch bestimmten Sinnesfreuden – gerade auch den kulinarischen – um des Entsagens Willens entsagt, wird auf Dauer kaum glücklich werden. Denn ein Verzicht, den man auch als solchen empfindet, hinterlässt unbewusst ein Gefühl der Unzufriedenheit – und das ist keine gute Voraussetzung für eine ausgeglichene Psyche. Nur wenigen Menschen gelingt es, ein in wirklich jeglicher Hinsicht asketisches Leben zu führen – und dennoch nicht ständig das Gefühl zu haben, dass einem etwas entgeht.

Schlechtes Gewissen, wenn man doch „sündigt“

Tatsächlich zeigt sich immer wieder: Verzichtsstrategien funktionieren meist eher schlecht. Früher oder später nehmen die „Verlockungen“ überhand – und man kann ihnen nicht mehr widerstehen. Doch wer sich beispielsweise gezielt vorgenommen hat, in der Vorweihnachtszeit komplett ohne Plätzchen auszukommen, und dann doch zugreift, wenn der Kollege eine Schale im Büro herumreicht, wird schnell von einem schlechten Gewissen geplagt. Und gerade die Empfindung, „gesündigt“ zu haben bzw. den eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden, hinterlässt ein negatives Gefühl – und kann am Selbstbewusstsein kratzen.

Es macht somit überhaupt keinen Sinn, angesichts der zu erwartenden Leckereien allzu verkrampft an die Festtagssaison heranzugehen.

Feiern tut gut und stärkt die Gemeinschaft

Im Gegenteil: Feiern und ausgelassene Stunden, gerade auch mit allerlei kulinarischen Köstlichkeiten, gehören zum menschlichen Leben einfach dazu. Das zeigt sich insbesondere dann, wenn man den Blick von unserer eigenen Gesellschaft auf fremde Kulturen richtet: Überall gibt es regelmäßig wiederkehrende Feiertage, die durchaus ausgelassen begangen werden. Dabei wird praktisch in allen Kulturen auch etwas über die Stränge geschlagen. Es ist kaum vorstellbar, dass sich solches Feiern über Jahrtausende menschlicher Evolution entwickelt bzw. gehalten hätte, wenn es in der Summe von Nachteil wäre.

Tatsächlich dürfte sogar das Gegenteil richtig sein: Das gemeinschaftliche ausgelassene Feiern stärkt den sozialen Zusammenhalt – und ist somit wichtig für die Gesellschaft. Und vieles spricht dafür, dass solch fröhliche Stunden auch ganz individuelle der Psyche gut tun. 

Außerdem gilt: Wie gesund der Lebenswandel insgesamt ist, entscheidet sich nicht an wenigen Feiertagen im Jahr – sondern im Alltag: Wer sich das restliche Jahr über vollwertig, abwechslungsreich und gesund ernährt, muss die ungesunden Leckereien der Weihnachtszeit nicht fürchten.

So steht zweifelsfrei fest: Ein Körper, den man durch regelmäßiges Training fit hält, wird aufgrund kurzzeitig erhöhter Kalorienaufnahme kaum außer Form geraten. Wer also den Alltag gesund gestaltet, der darf an den Feiertagen auch ganz bewusst genießen!