: Kapuzinerkresse: Heilkraut der Saison

Eine Heilpflanze, die nicht nur hübsch aussieht, sondern deren Blüten, Blätter und Knospen darüber hinaus noch jedem Salat eine besondere Note verleihen: Das ist die Kapuzinerkresse. Sie blüht gerade jetzt im Hochsommer in vielen Gärten.

Viele Heilpflanzen sind unscheinbar oder sind in Ziergärten als Unkraut unerwünscht. Nicht so die Große Kapuzinerkresse. Gerade die orange-rötlichen, manchmal auch gelben Blüten der meist 15 bis 30 Zentimeter hoch wachsenden „Tropaeolum majus“, die meist einfach nur kurz als Kapuzinerkresse bezeichnet wird, werten jeden Garten oder Balkon auch optisch auf.

Schön, lecker und gesund

Das Besondere: Die Blüten und Blätter der Heilpflanze sind essbar – und dabei ausgesprochen schmackhaft. Das angenehm würzig-säuerliche Aroma gibt jedem Sommersalat einen besonderen Pfiff. Die farbenfrohe Blüten und charakteristischen Blätter machen sich zudem als Garnitur auf jedem Teller gut. Die Kapuzinerkresse verkörpert wie kaum eine andere Heilpflanze einen Dreiklang aus Geschmack, Gesundheit und Optik.

Kein Wunder also, dass „Tropaeolum majus“ bereits im Jahr 2013 zur Arzneipflanze des Jahres gekürt wurde. In der Kapuzinerkresse stecken – der charakteristische Geschmack lässt es schon erahnen – wertvolle Senföle bzw. Senfölglykoside. Hierbei handelt es sich um so genannte sekundäre Pflanzenstoffe. Deren eigentlicher Sinn besteht darin, Fressfeinde aller Art fernzuhalten, also bestimmte Käfer und andere Insekten, aber auch schädliche Mikroorganismen. Nebeneffekt: Diese Senföle wirken auch gegen Bakterien, Pilze und sogar Viren. Seit Jahrzehnten ist gut belegt, wie diese Substanzen das Wachstum von krankmachenden Keimen wie Staphylokokken und Coli-Bakterien ausbremsen. Und in einer Studie konnte sogar nachgewiesen werden, dass eine Kapuzinerkressen-Essenz die Vermehrung von Influenza-Viren, also Grippe-Viren, hemmt.

„Natürliches“ Antibiotikum

Entsprechend kommt in der Naturheilkunde die Große Kapuzinerkresse bei Entzündungen der Atemwege, bei Bronchitis und bei Harnwegsinfekten als „natürliches“ Antibiotikum zum Einsatz. Die Pflanze ist als getrocknetes Kraut erhältlich, aber auch konzentriert in Tablettenform. Außergewöhnlich ist zudem, dass bei einer Behandlung mit dieser Arznei bislang noch nie eine Entstehung von resistenten und dadurch besonders gefährlichen Keimen beobachtet wurde. Warum dies so ist – und ob die Pflanze einen Beitrag im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen leisten kann, muss jedoch erst noch erforscht werden.

Dabei wussten bereits die Inka um die schmerzlindernde und wundheilende Wirkung der Pflanze. Mit den Kolonialherren gelangte sie schließlich nach Europa – und erhielt ihren Namen aufgrund der besonderen Form der Blütenkelche: Diese ähneln der typischen Kopfbedeckung der Kapuzinermönche.

Kresse ist nicht gleich Kresse

Übrigens: Kapuzinerkressen sind nicht direkt mit der Garten- oder Brunnenkresse verwandt. Letztere stammen aus unseren Gefilden, wohingegen alle Kapuzinerkressen ursprünglich nur in Mittel- und Südamerika beheimatet waren. Die verschiedenen Arten der Kapuzinerkressen sind kletternde bis kriechende, saftige, ein- bis mehrjährige krautige Pflanzen. Die hierzulande als Ziergewächs meist angebaute Große Kapuzinerkresse hat ihren Ursprung in der Grenzregion von Brasilien und Peru, wo sie sich vor allem in Auen und anderen Feuchtgebieten wohlfühlte.

Eigentlich ist die Große Kapuzinerkresse eine mehrjährige Pflanze. Allerdings ist das aus den Tropen stammende Gewächs frostempfindlich, so dass sie hierzulande im Garten oder auf dem Balkon jedes Jahr aufs Neue gepflanzt werden muss. Ideal ist es, sie im Frühjahr unter Glas vorzuziehen. Setzen Sie jeweils zwei Samen in einen sechs bis acht Zentimeter großen Blumentopf. Sobald die Eisheiligen vorüber sind, können Sie die Keimlinge ins Freie „aussetzen“. Unabhängig davon lässt sich beobachten, dass sich die Pflanze gelegentlich selbst aussät – und einige Samen offenbar im Freien gut durch den Winter gekommen sind. Eine Garantie dafür gibt es aber nicht. Die Große Kapuzinerkresse fühlt sich in der Sonne wohl und zeichnet sich durch ein teppichartiges Wachstum aus. Mit einer Rankhilfe lässt sie sich jedoch auch leicht zum Klettern bringen, wodurch sie ihre eigentliche Wachstumsgrenze von ca. 30 Zentimetern spielend überwindet.

Ernten bzw. verspeisen können Sie Blätter, Knospen, Blüten und Samen. Gerade die farbenfrohen Blüten eigenen sich bestens zur Dekoration allerlei herzhafter Speisen – aber selbstverständlich auch als Salat. Selbst Knospen und unreife Samen können Sie als Gewürz verwenden – oder in Essig einlegen und wie Kapern einsetzen.